Am Donnerstag, dem 31. Juli 2025, vollzog der BSV Sachsen Zwickau mit einem Testspiel gegen die SG 09 Kirchhof den Start in die nunmehr fünfte Erstligasaison. Das Kräftemessen mit dem Zweitligaaufsteiger aus Hessen endete mit einem standesgemäßen 35:18-Sieg, nachdem es zur Pause bereits 17:8 hieß.
BSV-Cheftrainer Norman Rentsch schätzte ein, dass sein Team recht gut in die Partie hineingefunden hatte, auch wenn in Halbzeit zwei nicht alles wie gewünscht lief. Dabei dachte er sicherlich an einige Partien der Vorsaison, in denen die Westsächsinnen nach dem Seitenwechsel phasenweise Schwierigkeiten offenbarten. So dauerte es auch diesmal fünf Minuten bis zum ersten Torerfolg in Hälfte zwei.
Der BSV startete gut ins Spiel und ging nach einer Minute durch Laura Szabo in Führung, die schnell auf 3:0 ausgebaut werden konnte. Begünstigt wurde dieser Start durch mehrfach aufgetretene technische Fehler der Gastmannschaft. Allerdings schlichen sich nun auch vermehrt Unachtsamkeiten in das Spiel der Zwickauerinnen ein, wodurch Kirchhof zum 3:4-Anschluss kam. Trotz einer Zweiminutenstrafe gegen Rome Steverink, der einzigen in einem wohltuend fairen Spiel, gelang es dem BSV, in der Folge wieder die Oberhand zu gewinnen und die Führung bis Minute 17 auf 10:4 auszubauen. In dieser Phase der Begegnung war es wiederholt Silje Brons Petersen, die schnörkellos den Weg zum Tor suchte. Die gebürtige Dänin, seit 2021 mit deutscher Staatsbürgerschaft ausgestattet und bisher 23 Mal im deutschen Nationaldress aktiv, schloss sicher und variabel ab. Während der gesamten Spielzeit wusste sie mit 8 Treffern und einer Wurfquote von beinahe 90 % zu überzeugen. Sie weckte mit ihrem Auftritt genauso Hoffnungen auf eine erfolgreiche Saison wie Kaho Nakayama. Die japanische Asienmeisterin avancierte mit 10 erfolgreichen Abschlüssen zur besten Torjägerin des Abends, auch wenn ihr fünf vermeintlich vermeidbare Abspielfehler unterliefen, die Teams eines anderen Kalibers sicherlich konsequenter bestrafen würden. Allerdings überzeugte sie mit Schnelligkeit, Wendigkeit und Spielübersicht.
Ein weiterer Garant für das erfolgreiche Abschneiden war Barbara Györi zwischen den Pfosten, die wie gewohnt, gegnerische Angreiferinnen verzweifeln ließ. Ein ums andere Mal entschärfte sie mitunter nicht einfache Bälle der Gäste. Hoffnungsvoll stimmte außerdem der Auftritt der neuen zweiten Torfrau Zwickaus. Thara Sieg, vom Ligarivalen Halle gekommen, erhielt viel Spielzeit und wusste sich mehrfach auszuzeichnen. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist zudem das überzeugende und energische Auftreten der Heimmannschaft in der Abwehr.
Mit einer beruhigenden 17:8-Führung ging der BSV in die Halbzeitpause, die bei einer konsequenteren Nutzung der Tempogegenstöße hätte noch höher ausfallen können.
Die zweite Hälfte nutzte Kirchhof, um durchzuwechseln und möglichst allen Spielerinnen Einsatzzeit zu ermöglichen. Der BSV konnte dies nur bedingt tun, da neben den beiden Torhüterinnen nur neun Feldspielerinnen zur Verfügung standen. Kurzfristig musste auf den Einsatz des verletzten Neuzugangs Charlotte Kähr verzichtet werden. Dennoch nutzte Norman Rentsch die Gelegenheit, verschiedene taktische Varianten auszuprobieren, wie eine offensive 4:2-Deckung oder das „empty goal“, wo im Angriff die Torhüterin zugunsten einer zweiten Kreisläuferin ausgewechselt wird.
In Minute 39 gelang eine erstmalige 10-Tore-Führung zum 21:11. Beim Stand von 28:16 in Minute 50 nahm Kirchhof-Coach Christian Denk eine nochmalige Auszeit für sein Team. Doch danach zeigte Zwickau einen fulminanten Schlussspurt bis zum Endstand von 35:18. Hier erwies sich vor allem Laura Szabo, die über weite Strecken der ersten Hälfte geschont wurde, treffsicher, so auch beim einzigen Siebenmeter für die Gastgeberinnen.
Gäste-Coach Denk wollte das Ergebnis nicht überbewerten, zumal seine von ihm neu übernommene Mannschaft auch erst seit einer Woche im Training ist. Er fand, dass sein Team ungewohnt verhalten agiert hätte. Trotzdem seien einige gute Ansätze zu erkennen gewesen, die auch dem begeisterungsfähigem und fachkundigem Publikum in Neuplanitz nicht entgangen sind. „Phänomenal“ schätze er die Kulisse für ein Testspiel ein und sparte nicht mit Lob: „ Zwickau ist ein toller Verein mit einem tollen Trainer. Es macht Spaß, hier zu spielen.“
Für Kirchhof geht es in der neuen Saison nach dem Zweitligaaufstieg, laut Kirchhof-Einschätzung „kein Beinbruch“, darum, sich mit einer neu formierten und nach Durchschnittsalter von 20,2 Jahren jüngsten Mannschaft der Liga zu behaupten und vielleicht das Image einer „Fahrstuhlmannschaft“ abzulegen.
Text: Jörg Ungethüm













