Zoe Stens ersetzte bei Zwickau in der Startformation die erkrankte Jasmina Gierga, die auf der Bank Platz nahm, auf Linksaußen. Einen ersten Wurf von Charlotte Kähr nach 50 Sekunden wehrte Celina Meißner ab, während auf der Gegenseite Sina Ehmann den Torreigen eröffnete. Mit dem ersten Siebenmeter an diesem Abend glich Laura Penzes für die Gastgeberinnen aus. Eine Unachtsamkeit erlaubte es Haruno Sasaki, einen Pass von Barbara Györi auf Charlotte Kähr abzufangen und eiskalt zur erneuten Gästeführung zu verwandeln.
Es folgten zwei nervöse Minuten auf beiden Seiten mit Fehlpässen, Fehlwürfen und Ballgewinnen, ehe Silje Brons Petersen den erneuten Ausgleich erzielte. Insgesamt vermittelte das Team des BSV einen frischeren Eindruck als noch vor wenigen Tagen beim Auswärtsdebakel in Neckarsulm. Die Abwehr wirkte entschlossen und Laura Szabo gelang die erstmalige Führung für die Hausherrinnen mit ihrem Versuch vom Kreis zum 3:2. Nach dem 3:3-Ausgleich scheiterte der Versuch eines Wurfes auf das verwaiste Göppinger Gehäuse. Fehler beider Mannschaften setzten sich fort, wie auch beide Torhüterinnen sich wiederholt auszeichnen konnten. Der BSV versuchte, taktisch variabel zu agieren und zog Penzes auf Linksaußen, wenn Stens an den Kreis einrückte. Penzes war es auch, die einen weiteren Strafwurf zum 5:4 souverän einnetzte. Brons Petersen erhöhte mit einem sehenswerten Hüftwurf. Gäste-Coach Nico Kiener nahm nach zwei erfolglosen Offensivaktionen seiner Frauen die erste Auszeit. Nach einer überragenden Parade von Györi gegen die 132-malige frühere Nationalspielerin Luisa Schulze war es wiederum Brons Petersen, die diesmal sogar in Unterzahl, das Streitobjekt zum 7:4 und einer erstmaligen 3-Tore-Führung versenkte. In der 20. Minute spielten die Zwickauerinnen erstmals mit dem in den vergangenen Begegnungen mit wechselndem Erfolg praktizierten „empty goal“. Penzes von der 7-m-Linie und Stens mit Tempogegenstoß stellten auf 9:6. Frisch Auf offenbarte immer wieder Unkonzentriertheiten im Angriff. Die mit 12 Paraden gewohnt starke Györi entschärfte einen weiteren Wurf Göppingens. Szabo traf zum 10:7. Wenige Sekunden später vergab Louisa De Bellis nach einer „schnellen Mitte“ ihren Versuch auf das leere BSV-Tor. Norman Rentsch wollte mit seiner ersten Auszeit etwas Ruhe ins Spielgeschehen bringen und seine Mannschaft auf die Endphase von Hälfte eins einstellen. Laura Szabo und Victoria Hasselbusch agierten fortan gemeinsam am Kreis. Kähr schloss einen unwiderstehlichen Angriff mit einem wuchtigen Wurf zum 11:7 ab. Die BSV-Abwehr überzeugte einschließlich ihrer Torhüterin und sorgte dafür, dass sich weder Schulze am Kreis noch der Rückraum der Gäste entfalten durften. Siebenmeterchancen beider Teams blieben ungenutzt. Penzes warf über das Tor, Sasaki nagelte den Ball ans Gebälk. Einen weiteren Strafwurf verwandelte Brons Petersen zum Halbzeitstand von 12:7, womit sie die Muldestädterinnen mit scheinbar beruhigenden fünf Toren Vorsprung in die Pause brachte.
Den ersten Treffer nach Wiederanpfiff markierte wie schon in der ersten Hälfte Sina Ehmann. Kurz darauf nutzte Sasaki das verlassene Zwickauer Tor, um auf 10:13 zu verkürzen. Die prompte Antwort gab Penzes, die sich durchschlagskräftig zum Kreis durchtankte und kompromisslos vollendete. Die gebürtige Altenburgerin Schulze im Trikot der Gäste schickte das Schiedsrichtergespann Blümel/Vortmann in der 35. Minute nach einer unfairen Attacke gegen Szabo mit einer Strafzeit vom Feld. Dass die Spielerinnen vom Rand der Schwäbischen Alb erneut nicht ins leere Zwickauer Gehäuse trafen, war nicht zuletzt der konsequenteren Verteidigung dieser Gelegenheiten beim eigenen Rückzugsverhalten des BSV zu verdanken. Es mehrten sich Fehlversuche beider Kontrahenten, einschließlich eines durch die japanische Nationalspielerin Sasaki vergebenen Siebenmeters. Das nahm Nico Kiener zum Anlass einer weiteren Auszeit in Minute 42. Nach dieser kehrte Kaho Nakayama, die nicht ihren besten Tag erwischt hatte und für sie ungewohnt ohne eigenen Torerfolg blieb, auf die Platte zurück. Zuvor bildeten Penzes, Brons Petersen und Kähr den Zwickauer Rückraum und überzeugten mit variablem Positionsspiel. Durch Tore von Hasselbusch, Brons Petersen und Szabo zog Zwickau beim 20:14 zum ersten Mal auf 6 Tore plus davon. Bei einer noch verbleibenden Viertelstunde Spielzeit schienen die Messen gelesen, doch Göppingen zeigte wie schon in Neckarsulm Comeback-Qualitäten. Drei durch Sasaki innerhalb von nur etwas mehr als drei Minuten genutzte Siebenmeter und ein Treffer von Lea Watzl brachten Frisch Auf bis auf 18:20 heran. Norman Rentsch reagierte mit einer Auszeit, um den Angriffsschwung der Gegnerinnen zu stoppen. Zu allem Überfluss blieb nach einer umstrittenen Entscheidung, die einem der gegebenen Strafwürfe vorausging, Charlotte Kähr auf dem Hallenboden liegen. Der Großteil des Hallenpublikums meinte bei der fraglichen Aktion eher ein Stürmerfoul von Sina Ehmann erkannt zu haben, die mit dem Kopf voran auf die Abwehr zusteuerte. Kähr musste anschließend zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo sich ihre Verletzungen als Kehlkopfprellung und Verstauchung der Halswirbelsäule erwiesen. Von dieser Stelle sei ihr baldige Genesung gewünscht.
Es entwickelten sich zehn überaus spannende und fesselnde Schlussminuten. Das 21:18 durch Rome Steverink egalisierten die Schwäbinnen in der 56. Minute zum 21:21-Ausgleich. Zwei weitere Siebenmetertore durch Sasaki und ein Treffer von Aylin Bornhardt nutzten ein zweimaliges Scheitern von Lea-Sophie Walkowiak, einen Fehlwurf von Nakayama und einen Lattentreffer von Brons Petersen aus. Unweigerlich wurden Gedanken an die knappe Partie gegen den THC wach, doch Zwickau begeisterte durch Kampf, Einsatzwille und eine positive Körpersprache. Als De Bellis in der Abwehr zu forsch agierte, bot sich dem BSV neben der verhängten Zeitstrafe eine Strafwurfgelegenheit. Penzes verwandelte eiskalt zum 23:22. 90 Sekunden später behielt Penzes erneut die Nerven von der Strafwurflinie und erzielte das 24:23, nachdem Sina Ehmann zwischenzeitlich verkürzt hatte. Györi mit einer wichtigen Parade und ein Wurf von Schulze aus sechs Metern auf die Lattenoberkante versagten den Gästen den Ausgleich. Mit 33 Sekunden auf der Uhr rief Rentsch zur Auszeit. Den danach folgenden Angriff entschärfte die mit 46,5 % abgewehrter Bälle herausragende Celina Meißner im Göppinger Kasten. Nun nahm Frisch Auf die letzte Auszeit bei verbleibenden 15 Sekunden Spielzeit. Im vermeintlich letzten Angriff unterlief ein Schrittfehler. So setzte Brons Petersen mit einem Wurf ins empty goal den Schlusspunkt zum 25:23-Heimsieg.
Jetzt kannte die Begeisterung keine Grenzen. Die Spielerinnen lagen sich überglücklich in den Armen und vollführten Freudentänze, während der Zwickauer Anhang lautstark feierte. Mit den gewonnenen zwei Punkten rückte der BSV in der Tabelle mit einem Spiel weniger bis auf einen Punkt an den Achten Göppingen heran.
Gäste-Trainer Kiener bemerkte nach der Partie, dass seine Mannschaft erst in Hälfte zwei besser ins Spiel kam, verwies aber auf die hohe Belastung von drei Partien innerhalb einer Woche, die generell die Kräfte schwinden ließen. Zudem wurden einige erkrankte und verletzte Spielerinnen schmerzlich vermisst.
Sein Gegenüber Rentsch, der selbst bei seinem ohnehin schmalen Kader nicht aus dem Vollen schöpfen konnte, stimmte in puncto Kräfteverschleiß zu und freut sich auf ein paar ruhigere Tage. Er lobte die wiederum tolle Kulisse in der Sparkassen-Arena und war sichtlich stolz auf sein Team: „Die Mannschaft hat sich zerrissen.“ Neben Göppingen seien auch noch andere Vereine in Reichweite.
Die achtfache Torschützin und MVP für Zwickau Laura Penzes, davon fünfmal nervenstark aus sieben Metern, meinte zum knappen Ausgang: „Man muss kühlen Kopf bewahren und wenn es eng wird, sich etwas trauen und vor allem klare Aktionen spielen.“
Victoria Hasselbusch wunderte sich über die Linie der Schiedsrichter, die sage und schreibe 18 Siebenmeter, davon einige in dichter Folge, pfiffen. „Ich habe so etwas noch nie erlebt. Sie zerstören den Spielfluss und unterbinden Positionsangriffe“, meinte die Kreisläuferin. Zudem sei es äußerst schwierig, wenn sich gegnerische Spielerinnen nach vorn „reinfallen“ lassen und es damit erschweren, faire Abwehraktionen zum Wurfarm zu gestalten, wobei sie aber ihrem Team eine sehr gute Abwehrarbeit attestierte.
BSV Sachsen Zwickau: Györi, Sieg; L. Szabo 5, Gierga, Kähr 2, Brons Petersen 5/1, Walkowiak, Hasselbusch 3, Penzes 8/5, Nakayama, Zens 1, Reuter, Steverink 1
Frisch Auf Göppingen: Meißner, Hlogyik; Kynast 5, Watzl 2, Bianco 1, Bornhardt 1, Beugels 1/1, De Bellis, S. Ehmann 4, A. Ehmann, Sasaki 9/6, Schulze, Elies, Grupp
Siebenmeter: BSV 6/8, Göppingen 7/10
Zeitstrafen: BSV 1, Göppingen 3
Schiedsrichter: Blümel, Vortmann
Zuschauer: 1528 (Sparkassen-Arena Zwickau)
Text: Jörg Ungethüm
Fotos: (C) Marko Unger















