Ihre erste Bundesliga-Saison in Zwickau hatte sich Handballerin Louise Cavanié anders vorgestellt. Noch vor dem Punktspielstart bremste eine schwere Verletzung die Linksaußen aus. Doch seitdem läuft alles optimal.

Zwickau. Ema Hrvatin sollte sich im Sommer als doppelter Glücksfall für Louise Cavanié erweisen. Die slowenische Toptorschützin von Handball-Bundesligist BSV Sachsen Zwickau und die neue Linksaußen sind seit langem befreundet. "Wir haben in Cannes zusammen gespielt und sind danach immer in Kontakt geblieben. Sie hatte mir auch von der guten Qualität der deutschen Liga und von Zwickau erzählt. Sie wusste nach dem Wechsel viel von dem, was ich so alles erledigen muss und konnte gut übersetzen, weil sie Französisch spricht", erzählt Louise Cavanié, die selbst ebenfalls sehr gut Englisch spricht.

BSV-Team ist für Mitspielerin da

Wirklich wichtig wurde die gute Beziehung zwischen den beiden Handballerinnen ausgerechnet in einer eigentlich schlimmen Situation: Anfang August verletzte sich die 22-jährige Französin im Training schwer. Die niederschmetternde Diagnose: Kreuzbandriss. So war die Saison für den Neuzugang noch vor dem ersten Testspiel im BSV-Trikot vorbei. Vor allem in den ersten Tagen unterstütze Ema Hrvatin ihre Teamkollegin sehr. In der Zeit wohnten die beiden quasi zusammen, obwohl jede in Zwickau ihre eigene Wohnung hat. "Nicht nur Ema, die ganze Mannschaft hat mich sofort super unterstützt. Es war manchmal fast das ganze Team bei mir zu Hause. Am Anfang war ich natürlich ganz schön niedergeschlagen, aber ich habe mich dann gut gefangen. Alles passiert aus einem Grund", sagt Louise Cavanié rund fünf Monate nach der Verletzung.

Französin schaut optimistisch in die Zukunft

Was sie neben der erfolgreichen Operation bei Kreuzbandspezialist Dr. Thomas Bartels in der Sportklinik in Halle an der Saale und der bisher optimal verlaufenden Reha optimistisch in die Zukunft schauen lässt, ist vor allem eine Tatsache. "Eine Mitspielerin ist mir aufs Knie gefallen, es war einfach ein Unfall. Und nicht mein Körper, der eine Schwäche gezeigt hat", betont die Französin, die in der Grundschule in ihrer Heimatstadt Montpellier mit dem Handball begann und später auf die Sportschule wechselte. Nach Stationen in Cannes und Le Havre folgte im Sommer der Weg nach Deutschland. "Das Ziel, ins Ausland zu gehen, gab es schon länger. Ich bin in meinen Mannschaften immer sehr gut mit den ausländischen Spielerinnen klar gekommen und wollte gern noch eine andere Art des Handballs kennenlernen", sagt Louise Cavanié.

Rückkehr soll nicht überstürzt werden

Auch wenn sie durch ihr Rehaprogramm ihren eigenen Zeitplan hat, so versucht die Französin doch regelmäßig mit beim Training in der Sporthalle Neuplanitz zu sein. Läuft alles weiterhin wie erhofft, dann kann sie jetzt im Januar zumindest mit auf der Platte stehen in den Einheiten - aber noch ohne Körperkontakt. Ob es vielleicht sogar für die ersten Einsätze im BSV-Trikot mit Blick in Richtung Saisonende reicht, da will sich die 22-Jährige keinen Druck machen. "Natürlich würde ich gern noch spielen und kann es eigentlich auch kaum erwarten. Ich sehe jede Woche Verbesserungen und durfte jetzt zum Beispiel wieder anfangen zu rennen. Aber ich will nichts überstürzen", betont die Französin, die von sich selbst sagt, dass sie Handball lebe. Und so fiebert sie bei den Spielen entsprechend auf der Tribüne mit und versucht ihre Energie anders fürs Team einzubringen. "Ich sehe von außen ja manchmal ganz andere Dinge und kann versuchen, meine Mitspielerinnen nach Niederlagen aufzubauen. Ich glaube an mein Team und habe das Gefühl, dass wir diese Saison was erreichen können."

Erschienen am 02.01.2024 von Anika Zimny (www.freiepresse.de)