Der BSV Zwickau empfing den TuS Metzingen, der vor dem Anwurf in der Tabelle bei zwei Spielen mehr vier Punkte vor dem Gastgeber lag. Hoffnung auf eine Punkteausbeute durfte man beim Heimteam durchaus hegen, konnten doch die letzten drei Partien in heimischen Gefilden gegen die „Tussies“ allesamt gewonnen werden.
Nach einer guten halben Minute Spielzeit stand der Block in der Abwehr gleich richtig und Barbara Györi wehrte den Angriffsversuch von Gabriela Bitolo endgültig ab. Im Gegenzug brachte Rome Steverink den Ball nicht an Torhüterin Marie Weiss vorbei. So blieb es Charlota Cholevova vorbehalten den ersten Treffer der Partie zu markieren. Silje Brons Petersen, an diesem Tag mit 11 Treffern Topscorerin, glich im Gegenzug aus. Auf beiden Seiten unterliefen Fehler im Spielaufbau und Ungenauigkeiten bei den Abschlüssen. Dennoch zogen die Gäste bis zur 10. Minute auf 5:2 davon, was Zwickaus Coach Norman Rentsch dazu veranlasste, eine erste Auszeit zu nehmen.
Bis zur 18. Minute zog Metzingen beim 10:6 auf 4 Tore Vorsprung davon, profitierte dabei auch von einer Zweiminutenstrafe gegen Laura Penzes und einem durch Brons Petersen verworfenen Siebenmeter. Nun setzte der BSV im Angriff auf das „empty goal“, was sich auszahlen sollte. Brons Petersen, Steverink mit einem überlegten Torwurf von Rechtsaußen und Kaho Nakayama brachten die Westsächsinnen auf 9:10 heran. Als die in der ersten Hälfte mit 6 Treffern überragende Cholevova an Györi scheiterte, bot sich für Nakayama die Gelegenheit zum 11:11, doch ihr Versuch eines Hebers misslang. Bis zum Halbzeitpfiff erarbeiteten sich die Gäste eine 16:12-Führung, wobei mehrere Paraden von Györi und das Gebälk des Zwickauer Gehäuses noch Schlimmeres verhinderten. Der Zwickauer Auftritt im ersten Durchgang wirkte wenig kraftvoll und dynamisch gegen ein selbst keinesfalls fehlerfrei agierendes Team aus Metzingen. Eigene Unzulänglichkeiten im Angriff sorgten für den folgerichtigen Rückstand.
Vor dem Seitenwechsel muss Norman Rentsch in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben, da seine Frauen wie ausgewechselt auf die Platte zurückkehrten. Tore durch Brons Petersen, eines davon von der Strafwurflinie, und Penzes brachten den BSV heran. Nach einer kurzzeitigen Spielunterbrechung durch den Ausfall der Anzeigetafeln verwandelte erneut Brons Petersen aus sieben Metern zum umjubelten 18:18-Ausgleich. In der Folgezeit pendelte sich der Spielstand bei maximal zwei Toren Rückstand für Zwickau ein. Immer wieder gelang auch der Ausgleich, jedoch während des gesamten Spiels nie eine Führung der Gastgeberinnen. Spannung pur bot die Schlussphase, die wie schon in den letzten beiden Heimspielen nichts für Herzpatienten war. Den unbedingten Willen auf Zwickauer Seite, etwas Zählbares mitzunehmen, spiegelt eine Szene aus der 54. Minute wieder. Nakayama fing einen gegnerischen Angriff ab, passte maßgenau auf Penzes, die die kraftvoll zum Tor ziehende Brons Petersen bediente, die zum 28:28 abschloss. Bemerkenswert, wie Kapitänin Laura Szabo, Verantwortung übernahm. Mit nicht einmal mehr zwei Minuten auf der Uhr, schnappte sie sich den Ball für einen Siebenmeter, obwohl sie kurz zuvor aus dem Spiel heraus an Keeperin Weiss gescheitert war. Nervenstark markierte sie das 31:31. Nach einer Metzingen Auszeit brachte Naina Klein die Tussies erneut in Führung. 31 Sekunden vor Ende der Spielzeit nahm Rentsch seine letzte ihm zur Verfügung stehende Auszeit. Den nächsten Angriff vollendete wiederum Brons Petersen unwiderstehlich zum 32:32. Die letzten Sekunden verteidigte der BSV aufopferungsvoll bis zu einem finalen direkten Freiwurf in der unmittelbar vor Abpfiff. Für Konfusion sorgten die Schiedsrichter, die vor der Ausführung zum Erstaunen eines Großteils des Publikums nacheinander mit Viktoria Hasselbusch und Laura Szabo zwei der körperlich präsentesten Spielerinnen auf die Strafbank setzten. Unter dem Jubel der 1200 Zuschauer landete der Wurfversuch Metzingens in den Armen der dezimierten Abwehr. Durch eine immense Steigerung in der zweiten Halbzeit verdienten sich der BSV den erkämpften Punkt redlich.
Für die Trainerin der Gäste, Miriam Hirsch, fühlte es sich nach einem für ihr Team verlorenen Punkt an. Sie ordnete ein: „Es war das erwartet umkämpfte Spiel bei einer heimstarken Mannschaft.“ Sie lobte das Publikum für die „Bombenatmosphäre“. Für Silje Brons Petersen, MVP für Zwickau, war die tolle Unterstützung des Publikums ein Erfolgsfaktor, „weil wir uns schwer getan haben.“ Ihr Pendant auf Seiten der Gäste Marie Weiss fand, dass ihr Team zwar gut in der Abwehr stand, aber vorn zu wenig gelang. So wurde aus Chancen auf das empty goal zu wenig gemacht und zu viele Fehlwürfe produziert. Norman Rentsch zeigte sich mit dem Teilerfolg zufrieden. Er verwies auf die eingeschränkten Möglichkeiten der Zwickauer Bank, die erkrankte oder angeschlagene Spielerinnen nur eingeschränkt zu kompensieren vermochten. Charlotte Kähr stand zwar nach ihrer Verletzung wieder auf der Platte, signalisierte aber früh, dass es im Angriff doch noch nicht geht, was für ihre Mitspielerinnen ein „Nackenschlag“ war. „Uns fehlt die Breite für mehr Tempo im Spiel“, schätze der Coach ein. Er verteidigte das häufig praktizierte empty goal: „Auch wenn das 7:6 nicht attraktiv ist, ist es momentan ein wichtiges taktisches Mittel für uns.“
Zwickau steht nun mit 7 Pluspunkten und teilweise weniger Spielen als die Konkurrenz auf Tabellenplatz 8, der am Saisonende Relegationsspiele vermeiden würde. Bereits am Mittwoch ist der BVB Dortmund in der Sparkassen-Arena zu Gast.
BSV: Györi, Sieg; Szabo 6/1, Gierga, Kähr, Petersen 11/3, Walkowiak, Hasselbusch 5, Penzes 6/2, Nakayama 2, Stens 1, Reuter, Steverink 1
Metzingen: Weiss, Suba; Lindemann 4/3, Tröster 2, Klein 4, Franz 2, Schlegel 4, Goldammer, Sabatnig 1, Demmel, Bitolo 3, S. Hübner 4, van Vliet, C. Hübner 1, Cholevova 7
Siebenmeter: BSV 6/9, Metzingen 3/3
Zeitstrafen: BSV 3, Metzingen 1
Schiedsrichter: Otto, Piper
Zuschauer: 1200 (Sparkassen-Arena Zwickau)
Text: Jörg Ungethüm
Fotos: (C) Marko Unger













