Mit einem überzeugenden Auftritt haben unsere BSV-Ladies Buxtehude mit 30:21 in die Knie gezwungen, die ersten beiden Auswärtspunkte geholt und den Anschluss an das Tabellenmittelfeld hergestellt.

Vor allem die Art und Weise des Auftritts in Hälfte zwei überzeugte. Ging es noch mit 10:10 in die Kabinen, drehten die Gäste im zweiten Durchgang auf. Waren in der Vergangenheit gerade dort Schwächen sichtbar, konnte man nun eher eine Überlegenheit wahrnehmen. Bereits vor Beginn der Partie betonte Zwickaus Chefcoach Norman Rentsch am Mikrofon vom Streamingdienst sportdeutschland.de erneut die Bedeutung des Sieges gegen Halle. Er verwies auf die dominante zweite Hälfte in diesem Spiel und erinnerte daran, dass in den Partien zuvor auch ordentliche Leistungen abgeliefert wurden, aber sich die Mannschaft nicht belohnt habe. Zugleich verwies er auf die tolle Mentalität im Team, gerade mit Blick auf den schmalen Kader von nur 13 Spielerinnen. Er glaubte an eine Entscheidung in der Endphase der Partie und bediente sich beim aus Tenniskreisen geläufigem Vokabular: „Wir müssen die Big Points setzen“. Buxtehudes Coach Dirk Leun bemängelte mit Blick auf die vergangenen Duelle eine zu hohe Anzahl vermeidbarer Fehler sowie mangelnde Effektivität in der Abwehr. Nach zwei guten Trainingswochen erwartete er ein physisch überlegenes Team aus Zwickau und ermunterte seine Spielerinnen dahin zu gehen, „wo es weh tut“. Verletzungssorgen machten es schon vor Beginn des Spiels nicht leicht, die positive Bilanz von 9:1-Siegen aus Sicht des Gastgebers auszubauen.

Das Aufeinandertreffen in der neuen Heimstatt „Sporthalle Schulzentrum Nord“ begann mit einer tollen Parade von Barbara Györi bei drohendem Zeitspiel. Im direkten Gegenzug netzte Silje Brons Petersen ein und sorgte für die Führung der Gäste. Der BSV, wenn sich auch beide Kontrahenten so abkürzen, ist natürlich Zwickau gemeint, agierte von Beginn an mit variantenreichen Taktiken in der Abwehr. Verschiedene Spielerinnen wurden vorgezogen, was es dem Gegner umso schwerer machte, die Schwäne auszurechnen. Durch abermals Petersen und einen Siebenmetertreffer von Laura Penzes nach einem unfair unterbundenen Tempogegenstoß zog „unser“ BSV auf 3:0 davon. Das führte zu einer frühen Auszeit von Buxtehude. Dirk Leun mahnte an, mehr in die Tiefe gehen und Zweikämpfe annehmen zu müssen. Danach überließ er es seinen Spielerinnen, die weitere Taktik zu besprechen. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Ähnliches hatte zu seiner Zeit als Herren-Bundestrainer Christian Prokop (erfolglos) probiert. Jedenfalls versuchte es Buxtehude fortan mit dem „empty goal“.
Nachdem Jasmina Gierga zweimal unglücklich agierte, markierte Anika Hampel in Minute 7 den ersten Treffer der Hausherrinnen. Nun begann ein kleiner Lauf für Buxtehude bis zu einer eigenen 5:3-Führung. 2 Minuten gegen Szabo nach kurz zuvor gelb, Lattentreffer und zuvor im Angriff an der guten Buxtehude-Torfrau Andresen gescheitert, Gegentreffer durch die Beine, Siebenmeter.

Jetzt nahm der erfahrene Zwickau-Coach Norman Rentsch die Auszeit. Er sagte, dass er Verantwortung brauche, indirekte Sperren eingesetzt werden sollen und die Außen mehr einbezogen werden müssten. Kaho Nakayama, wiederholt ein Aktivpunkt, markierte mit einem sehenswerten Heber das 4:6. Leider konnte kurze Zeit später Laura Penzes nicht per Strafwurf weiter verkürzen, da Andresen im Gehäuse von Buxtehude lange wartete und den Wurf parierte. Danach schien die Konzentration beim BSV-Team sprichwörtlich flöten zu gehen, da es wiederholt unsaubere Anspiele gab. Mit einem souverän verwandelten Siebenmeter zum 5:8 gab Petersen wieder die Richtung vor. Kurz darauf eine Schrecksekunde. Laura Szabo blieb nach einem Foul liegen und stand erst nach intensiver Behandlung mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder auf. Unter diesem Eindruck gerieten die fällige Zweiminutenstrafe und das 6:9 durch erneut Petersen per Strafwurf fast zur Nebensache. Aber Zwickau legte nach. Zweimal die unwiderstehliche Nakayama und Viktoria Hasselbusch am Kreis glichen zum 9:9 aus. Wenig später verteidigte Charlotte Kähr hart an der Grenze des Erlaubten, erhielt keine Strafe, Györi war beim fälligen Wurf auf dem Posten. Im Gegenzug zeigte sich wiederum Andresen mit ihrer sechsen Parade zur Stelle, ehe bei einem erneuten Angriff Kähr 4 Sekunden vor Ende der ersten Halbzeit das 10:10 markierte. Kähr trug in der vorigen Saison noch das Trikot von Buxtehude, spielte damals obwohl des Wechsels nach Zwickau gewiss, in den drei engen Play-Down-Spielen mit vollem Einsatz für ihren Ex-Verein, jetzt eben für den „richtigen“ BSV mit dem gleichen Einsatz. Spielerinnen mit einem solchen Verständnis für ihren Sport und ihre Aufgabe brauchen wir.

Kähr war es auch, die den Torreigen in Hälfte zwei eröffnete. Nach einem kurzen hin und her mit auch Strafwürfen auf beiden Seiten, führte der BSV mit 14:13. Erneut überraschte der Gast mit (personellen) Varianten in der Abwehr. Ein unnötiger Ballverlust wurde durch einen Fehlwurf von Buxtehude nicht bestraft. Durch Rome Steverink und einem Tor per Tempogegenstoß durch Jasmina Gierga nach überragendem Ballgewinn von Laura Penzes zog der BSV auf 17:13 davon. In der folgenden Auszeit forderte Dirk Leun ein aggressiveres Verteidigen ein, was zunächst Früchte zu tragen schien. Teresa von Prittwitz verkürzte auf 16:17 und die nach einem Torwartwechsel ins Buxtehuder Tor gekommene Lina Steinecker mit einer Parade veranlassten Norman Rentsch, eine weitere Auszeit zu ziehen. Hier gab er die Devise 7:6 aus.
Trotz Rückschlägen wie einer Zweiminutenstrafe gegen Hasselbusch und eines völlig unmotivierten Passes ins Leere von Kähr gelangen andere Dinge, wie kurze Anspiele, gerade auch an den Kreis, gut. Kähr warf wuchtig und die an diesem Tag überragende Silje Brons Petersen, mit 12 Toren und 100% Wurfquote sowie MVP beste Zwickauerin, brachten Zwickau auf 22:17 davon. Brons Petersen führte mit absolutem Überblick Regie, schloss selbst konsequent ab und hatte immer den richtigen Blick für die Nebenfrau. Nun waren die Messen gelesen. Buxtehude wich nicht mehr vom „empty goal“ ab, wodurch die Westsächsinnen noch wiederholt zu leichten Torerfolgen kamen. Am Ende stand ein 30:21 für den „richtigen“ BSV.

Dirk Leun räumte nach der Partie ein, dass die bessere Mannschaft verdient gewonnen hätte und ist dankbar für die jetzt bevorstehende Ligapause. Norman Rentsch freute es, eine Entwicklung in der Mannschaft zu sehen. Man müsse als Trainer auch genügend Zeit haben, um Ideen umzusetzen. Erfolge zeigten sich jetzt. Er betonte die herausragende Abwehrarbeit, die man beispielhaft an Jasmina Gierga oder Laura Penzes festmachen könnte. Zufrieden war er, wie nach dem 4:8-Rückstand (nach 11 eigenen torlosen Minuten – Anm. der Redaktion) Ruhe bewahrt wurde und zur Halbzeit auf Unentschieden gestellt werden konnte.

Charlotte Kähr bewertete die Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte so: “Es war ein schönes Gefühl, alle wiederzusehen.“
Maj Nielsen, MVP bei Buxtehude schaute bereits nach vorn: „Wir haben jetzt vier Wochen Zeit (WM-Pause – Anm. der Redaktion), um an unseren Schwächen zu arbeiten. Ab der 45. Minute brechen wir ein. Heute kamen wir auch nicht gut rein“.
Als Fazit kann man sagen, dass der BSV zwei immens wichtige Auswärtspunkte überzeugend eingefahren hat, der Anschluss zum Tabellenmittelfeld mit weniger Spielen hergestellt ist und die Mannschaft richtig gut Handball spielt.

Buxtehude: M. Andresen, Steinecke, Kaminska; Nielsen 6/4, Frey, Kaufmann, von Prittwitz 3, Huhnstock 3, Mittag 1, Hampel 4, Dölle 2, 0berlander 1, J. Andresen 1, Lück

BSV: Györi, Curth; Szabo 1, Gierga 1, Kähr 2, Petersen 12/4, Walkowiak, Stens, Hasselbusch 4, Penzes 2/1, Nakayama 5, Severink 3
Siebenmeter: Buxtehude 4/5, BSV 5/6

Zeitstrafen: Buxtehude 4, BSV 2

Text: Jörg Ungethüm