Zum zweiten Punktspiel der Saison musste der BSV erneut reisen. In der Paul-Horn-Arena Tübingen traf man auf den TuS Metzingen. Dieser trägt ab der aktuellen Saison seine Heimspiele nicht mehr in Metzingen aus, sondern in der größeren - bis zu 3000 Zuschauer fassenden – Halle in der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs, die zuvor auch schon mehrfach als „Ausweichspielstätte“, gerade bei Partien auf europäischer Ebene, genutzt wurde. Sporteurope.tv-Kommentator Joachim Zühlke wurde nicht müde zu erwähnen, wie gut die Halle gefüllt wäre. 1497 Zuschauer sind durchaus erwähnenswert.
Beide Mannschaften starteten punktlos in das Duell, der BSV mit der Auftaktniederlage in Oldenburg, Metzingen gar mit zwei Pleiten. In den zurückliegenden Spielen gegeneinander gab es durchaus unterschiedliche Ausgänge. Die Zwickauerinnen konnten zwei Aufeinandertreffen zu Hause knapp für sich entscheiden, unterlagen aber beim letzten Gastspiel mit 10 Toren Unterschied.
Nach 31 Sekunden eröffnete Naina Klein den Torreigen für die Gastgeberinnen. Diese bauten den Vorsprung bis Minute 2 schnell auf 3:0 aus. Die ersten Lebenszeichen für die Westsächsinnen sendeten Kaho Nakayama mit dem Treffer zum 1:3 nach 2:30 Minuten und Barbara Györi mit einer starken Parade. In der Folge agierte der BSV im Angriff unglücklich, Abschlüsse gelangen nicht, unklare Aktionen summierten sich wie auch noch ein völlig überflüssiges Offensivfoul hinzukam. Marie Weiss zeigte im Tor der Tussies, wie sich die Metzinger selbst gern nennen, eine starke Leistung. Györi hielt auf Zwickauer Seite auch was zu halten war. Im Spiel des BSV setzte sich der nervöse Beginn mit unnötigen Ballverlusten und einem Schrittfehler fort. So konnte Sabrina Tröster nach einem „empty goal“ auf 6:1 für die Hausherrinnen erhöhen, was Gäste-Coach Norman Rentsch zum Anlass für eine erste Auszeit nahm. Er forderte in seiner Ansprache „klare, einfache Bälle und dass, wenn eine geht, sie dies konsequent tun solle“. Der Cheftrainer agierte auch wie gewohnt engagiert an der Seitenlinie und versuchte so, sein Team mitzureißen. Es war Kaho Nakayama, die auf der Platte voranging und Verantwortung übernahm. Die an diesem Tag mit 9 Treffern beste Torschützin des BSV überzeugte mit schnellem, trickreichen Spiel, war wendig und mit fairen Mitteln kaum zu stellen. Jedoch fand Metzingen oft eine prompte Antwort durch eigene Torerfolge. In Minute 12 parierte Barbara Györi einen Siebenmeter von Charlotte Cholevova, während kurze Zeit später Laura Penzes per Strafwurf zum 6:9 verkürzte. Victoria Hasselbusch wehrte mit einer überragenden Aktion in der Abwehr eine Angriffsbemühung der Tussies ab, doch blieb der folgende Gegenstoß ebenso erfolglos. Metzingens Trainerin Miriam Hirsch nahm eine Auszeit. Sie erteilte taktische Anweisungen, wie mit dem 7:6 von Zwickau im Angriff umzugehen sei und forderte mehr Disziplin ein. Zudem ersetzte sie die bis dahin glücklose niederländische Nationalspielerin Lois van Vliet durch Selina Lindemann. Kurz darauf verwarfen die Tussies ihren zweiten Siebenmeter durch eben Lindemann. Es folgten hektische Aktionen auf beiden Seiten. Zunächst kassierte Gabriela Bitolo auf Seiten der Gastgeberinnen eine Zweiminutenstrafe, kurze Zeit später Victoria Hasselbusch auf Seiten der Gäste.
In der 20. Minute kam der BSV durch Nakayama beim 10:12 auf 2 Tore heran. Die Metzingerinnen schienen nun ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen zu müssen. Zudem zahlte sich die aggressive Abwehrarbeit Zwickaus mit einer starken Györi als letzter Instanz aus. In Minute 25 gelang der 13:13-Ausgleich durch Jasmina Gierga, die auf links außen Lea-Sophie Walkowiak ersetzte, und die Aufholjagd nach 1:7-Rückstand zunächst krönte. Kurz darauf musste Hasselbusch mit Strafzeit zum zweiten Mal vom Feld. Der BSV agierte in dieser Phase, abgesehen von zwei souveränen Siebenmetertreffern von Penzes, zu fahrlässig. Sara Suba rückte für die TuS ins Tor. Nun folgten einige schnelle erfolgreiche Würfe Metzingens. Zur Halbzeit stand ein 18:15 auf der Anzeigetafel.
Mit Wiederbeginn trug sich Silje Bröns Petersen, einstmals für die Tussies am Ball, erstmals in die Torschützenliste ein. Der BSV setzte seine Taktik mit empty goal und zwei Kreisläuferinnen, neben Hasselbusch mit Laura Szabo, fort. Hasselbusch, die an diesem Abend auf drei Tore kam, agierte im Abschluss wiederholt unglücklich und wurde in der 42. Minute nach ihrer dritten Zweiminutenstrafe durch die unauffällig und gut agierenden Schiedsrichter Kijowsky und Strüder mit „rot“ vom weiteren Spielgeschehen ausgeschlossen. Bis Minute 44 zog Metzingen in Überzahl auf 29:23 davon. Wenig später entschärfte Suba einen Siebenmeter von Penzes. In der folgenden Auszeit versuchte Rentsch, seiner Mannschaft einige taktische Varianten an die Hand zu geben und beorderte Thara Sieg ins Gehäuse. Nur drei Minuten später zog er seine letzte Auszeit-Möglichkeit, um sein Team auf die „Crunch Time“, also die entscheidenden Minuten, einzustimmen. Penzes war zwar wieder mit Strafwurf erfolgreich, doch in den torreichen letzten Minuten bekam die wieder ins Tor gerückte Györi einfach keine Hand mehr an den Ball. So setzte sich der DHB-Pokalsieger von 2024 am Ende mit 41:34 durch. Die nach dem Match als MVP, wertvollste Spielerin, geehrte Naina Klein stufte den Sieg als „sauwichtig“ ein und meinte man müsse jetzt dort weitermachen und immer 60 Minuten Gas geben. Die Unterstützung der Fans hob sie auch hervor, die beflügelt habe.
Klein war neben Tröster mit 9 Toren die erfolgreichste Werferin bei Metzingen. Linkshänderin Tröster gilt mit ihren 20 Jahren als hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Im März 2025 feierte sie ihr Debüt in der Nationalmannschaft gegen Frankreich wie auch ihre Teamkameradin Weiss. Beide kommen bisher auf zwei Einsätze für Deutschland.
Metzingens Trainerin Hirsch zeigte sich froh über die bevorstehende Pause bis zum nächsten Spiel. Rentsch gab sich als fairer Verlierer. Die vom Moderator angesprochene „verschlafene Anfangsphase“ sah er ganz genau so, verwies aber darauf, dass sich die neuen Spielerinnen erst finden müssten und sich das Team spielerisch noch weiter entwickeln müsse. „Es ist, wie es ist“, fasste er den momentanen Stand zusammen. Dabei verwies er nicht auf die Tatsache, dass der BSV mit nur 11 Spielerinnen angereist war und Metzingen mit der vollen Kapelle spielte, die auch die Abgänge von Jana Scheib und Julia Behnke gut kompensierte.
Charlotte Kähr richtete den Blick nach vorn, indem sie zwar einräumte, dass Zwickau den Start verschlafen hatte und die Kräfte gefehlt hätten, aber zugleich auf die kommenden Aufgaben schaute. Nach nur Auswärtsspielen freut sie sich auf „endlich mal ein Heimspiel“ am 4. Oktober in der Stadthalle gegen Blomberg-Lippe.
Unterstützung kommt auch von weiter her. Colin Wilkinson aus Aughton in der Nähe von Liverpool verfolgt die Entwicklung der BSV-Damen seit Jahren und ist sich sicher, dass die Trendwende gelingt: „Die Ergebnisse werden kommen.“ Hoffnungsvoll stimmte ihn vor allem auch der Auftritt von Jasmina Gierga, die diesmal 4 Tore erzielte und auf den unterschiedlichsten Positionen spielen kann.
Metzingen: Weiss, Suba; Lindemann 2, Tröster 9, Klein 9, Franz 1, Schlegel, Goldammer, Sabatnig, Demmel 3, Bitolo 10/3, Stumpf, S. Hübner 2, van Vliet 1, C. Hübner 1, Cholevova 3
BSV: Györi, Sieg; Szabo 1, Gierga 4, Kähr 6, Petersen 3, Walkowiak, Hasselbusch 3, Penzes 7/4, Nakayama 9, Severink 1
Siebenmeter: Metzingen 3/5, BSV 4/5
Zeitstrafen: Metzingen 3, BSV 3 (rot für Hasselbusch)
Text: Jörg Ungethüm
Fotos: (C) Marko Unger












