Juliane Peter soll beim Verein aus Westsachsen mit Toren zum Klassenerhalt des Juniorteams in der 3. Liga beitragen. Während sie dort vorangehen muss, sieht ihre Aufgabe in der Bundesliga ganz anders aus.

Zwickau. Bei einer Sache schaut Juliane Peter ein bisschen neidisch auf Teamkollegin Jasmina Gierga. "Sie kann im Bus echt gut schlafen. Mir fällt das schwer, ich drehe mich immer nur von einer auf die andere Seite", erzählt die 18-Jährige. Zuletzt verbrachte das Duo gemeinsam mit den anderen Spielerinnen des Juniorteams des BSV Sachsen Zwickau sehr viel Zeit im Bus. Im November und Dezember spielte der Drittligaaufsteiger gleich fünfmal in Folge auswärts und legte dabei mehr als 4200 Kilometer auf der Straße zurück. An einfach ins Bett fallen nach der Rückkehr und ausschlafen war bei Juliane Peter aber kaum zu denken - weil die Spiele meist sonntags stattfanden, musste die Zwölftklässlerin am Montagfrüh fast direkt weiter in die Schule. "Es ist im Moment schon echt hart, weil ich ja im Abijahrgang bin. Aber ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, mir die Zeit einzuteilen und kenne es eigentlich gar nicht anders", sagt Juliane Peter, deren Alltag eng durchgetaktet ist zwischen Schule und Training.

Für Handball steht jeden Tag viel pendeln auf dem Programm

Das liegt nicht zuletzt daran, weil die Rückraumspielerin, die im erzgebirgischen Zschorlau zu Hause ist, zu den hoffnungsvollen Nachwuchstalenten des BSV Sachsen zählt. In der Grundschule kam Peter in ihrem Heimatort zum Handball und machte später in der Bezirksauswahl den damaligen BSV-Nachwuchschef Christian Pleißner auf sich aufmerksam. "Anfangs habe ich mit einem Zweitspielrecht für Zwickauund auch weiter für die SG Schneeberg/Zschorlau gespielt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir in Zwickau mehr Spaß macht, weil das leistungsorientierter war", erzählt Juliane Peter. So ging das Pendeln los: Morgens von Zschorlau ins Gymnasium nach Aue, danach oft zum Training nach Zwickau und erst abends wieder nach Hause. Seitdem die Erzgebirgerin im Oktober 18 wurde, ist das dank des Führerscheins und eigenen Autos immerhin einfacher geworden. Wie sehr der Sport ihr Leben bestimmt, macht auch eine andere Sache deutlich. In der 10. Klasse stand für Juliane Peter in der Schule eine Facharbeit an. Statt in Deutsch, Englisch oder einem anderen Fach entschied sie sich, die im Bereich Sport zu schreiben. "Kinder und Jugendliche im Leistungssport - Der lange Weg zum Profisportler", unter diesem Titel stand die Arbeit.

Auf dem Parkett gehts gegen die Vorbilder

Ihre Handballkarriere verlangt der 18-Jährigen derzeit nicht nur organisatorisch und körperlich, sondern auch mental einiges ab. Denn es sind ganz unterschiedliche Rollen, die sie als Rückraumspielerin bei den Zwickauerinnen einnimmt. Im Bundesligateam gilt es für die Nummer 28 , vor allem zu lernen und sich viel abzuschauen. Im Januar 2022 gab Juliane Peter ihr Debüt in der Mannschaft von Coach Norman Rentsch. "Ich bin immer noch ein bisschen aufgeregt vor den Bundesligaspielen. Es ist für mich der Wahnsinn, wenn ich zum Beispiel gegen Bietigheim dabei bin. Mit Xenia Smits habe ich sonst immer Fotos gemacht als Fan und jetzt unterhalte ich mich mit ihr nach dem Spiel über Handball. Das ist schon sehr cool", sagt Peter, die in Zukunft gern immer weiter Verantwortung übernehmen will in der ersten Mannschaft. Für die wird es am Mittwoch nach der WM-Pause der Bundesliga erstmals wieder ernst. Ab 19 Uhr ist der BSV im mitteldeutschen Derby beim SV Union Halle-Neustadt gefordert. Der Tabellenneunte hat drei Punkte mehr auf dem Konto als die Zwickauerinnen auf Rang 11. Mit einem Erfolg könnten die Gäste den Anschluss ans Mittelfeld herstellen und wichtige Zähler im Abstiegskampf sammeln.

Studium soll sich mit dem Sport verbinden lassen

Während Norman Rentsch das von ihr in dem Bereich noch nicht einfordert, so hat der BSV-Trainer mit Blick auf das Juniorteam andere Erwartungen an Juliane Peter. "Ich will sehen, dass sie dort Verantwortung übernimmt und Tore schießt", betont er. Dass sie in der Mannschaft voran gehen und funktionieren muss, das weiß auch Juliane Peter - und wird dem Anspruch bisher durchaus gerecht. 71 Treffer in elf Spielen sind Platz 7 in der Torschützenliste der 3. Liga Nord/Ost und der zweitbeste Wert im BSV-Team hinter Jasmina Gierga. Nach einem schwierigen Saisonstart haben sich die Zwickauerinnen in die Liga hineingearbeitet und mischen nun voll mit im Kampf um den Klassenerhalt. Und so hofft Juliane Peter, im Frühjahr nicht nur das bestandene Abitur feiern zu können. Wie es danach in ihrem Leben weitergeht, da ist zumindest eines sicher: "Ich will gern studieren, aber bin noch in der Findungsphase, was genau. Wichtig ist, dass es sich mit Handball verbinden lässt."

Erschienen am 26.12.2023 von Anika Zimny (www.freiepresse.de)