Für Jolene Preussler war die Einladung zum Sichtungslehrgang des Beachhandball-Nationalteams der bisherige Höhepunkt ihrer Laufbahn. Sie kam mit der Motivation zurück, nun auch den nächsten Schritt noch zu gehen.

Zwickau. Viel Zeit, ihre Sachen zu packen, hatte Jolene Preussler in der vergangenen Woche nicht. „Am Montag, 17.30 Uhr kam der Anruf, am Dienstag 5 Uhr saß ich im Zug in Richtung Witten“, erzählt die 18-jährige Handballerin vom Juniorteam des BSV Sachsen Zwickau. Die Hektik und den Reisestress nahm sie jedoch gerne in Kauf. Schließlich wartete in der Stadt in Nordrhein-Westfalen nicht irgendein Training auf die Zwölftklässlerin des Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Vielmehr hatte der Bundestrainer der Beachhandball-Nationalmannschaft gerufen. Und ein Stück weit war die Rückraumspielerin ja auch vorbereitet. Ihr einstiger Landestrainer Jacob Dittrich brachte den Namen der jungen Zwickauerin nicht nur für den Sichtungslehrgang ins Gespräch. Er hatte sie auch informiert, dass sich da etwas ergeben könnte.

Fazit nach Doppel-Premiere: "Es hat übelst Spaß gemacht"

Dass sie letztlich von der kurzfristigen Absage zweier anderer Spielerinnen profitierte, konnte die Freude nicht trüben. „Es war schon immer mein Traum, mal eine Einladung zur Nationalmannschaft zu bekommen“, sagt Jolene Preussler. So wurde der dreitägige Lehrgang für sie in zweierlei Hinsicht eine neue Erfahrung. „Ich hatte noch nie Beachhandball so richtig mit Regeln und dem ganzen Drum und Dran gespielt, aber man kommt da ziemlich schnell rein“, sagt sie.

Die Variante im Sand unterscheidet sich unter anderem in der Teamstärke (vier Spielerinnen), in der Spielzeit (zweimal 10 Minuten) und in vielen Details vom „normalen“ Handball in der Halle. So zählen Tore durch Trickwürfe, also zum Beispiel mit einer Rochade in der Luft vor dem Wurf doppelt. „Es hat übelst Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich mitmachen durfte“, schwärmt die Drittliga-Spielerin.

Preusslers Plan: In der Halle wie im Sand am Ball bleiben

Auch Beachhandball-Bundestrainer Alexander Novakovic, der sich vorher unter anderem Videos von Jolene Preusslers Spielen mit dem BSV II angesehen hatte, war offenbar angetan. „Wir hatten ein gutes Gespräch. Er sagte, dass ich mit meiner Größe und Athletik viel mitbringe und hat in den drei Tagen Fortschritte gesehen“, sagt die Zwickauerin. Auch wenn die Einladung noch nicht wirklich viel bedeutet, da sich der Bundestrainer in erster Linie einen Überblick über nachrückende junge Spielerinnen verschaffen wollte, wird die Zwickauerin im Sand am Ball bleiben. Der Plan ist, dass sie mit einem Berliner Team im Sommer Beachturniere spielt.

Bis dahin wird sich die 18-Jährige, die als Perspektivkader des BSV einmal in der Woche mit der Zwickauer Bundesliga-Mannschaft trainiert, in der 3. Liga in der Halle reinknien. Nachdem sie die ersten Punktspiele des Aufsteigers aufgrund eines Bänderanrisses im Knie noch verpasst hatte, gehörte Jolene Preussler zuletzt stets zu den auffälligsten Spielerinnen der Mannschaft. Trotz der jüngsten beiden Auswärtssiege fehlen aktuell noch zwei Punkte zum nötigen siebenten Platz für den Klassenerhalt. „Es wird schwierig, aber es ist machbar. Da wir in der Rückrunde noch viele Heimspiele haben, traue ich uns das auf alle Fälle zu“, erklärt sie.

Nele Kurzke: Bronze im Juni bei Beachhandball-Europaturnier

Unterdessen war Jolene Preussler in diesem Jahr nicht die erste Spielerin des BSV Sachsen Zwickau, die eine Einladung zur Beachhandball-Nationalmannschaft erhielt. Bundesliga-Torhüterin Nele Kurzke war im Juni kurz vor ihrem Wechsel zum Zweitligisten HC Leipzig sogar für die European Games in Polen nominiert worden. Dort hatte die 33-Jährige unter Bundestrainer Alexander Novakovic großen Anteil am Gewinn der Bronzemedaille. Im kleinen Finale gab es einen 2:0 (26:18/27:26)-Erfolg gegen Norwegen. Turniersieger wurde Dänemark.

Erschienen am 19.12.2023 von Monty Gräßler (www.freiepresse.de)