Mit einem 30:23-Sieg gegen die „Wildcats“ des SV Union Halle-Neustadt fuhren die Damen des BSV Zwickau die ersten beiden Punkte der Saison ein und bauten die Bilanz in den direkten Duellen mit den Saalestädterinnen auf Bundesliganiveau auf 5:2 aus.
Den Torreigen für die Gastgeberinnen eröffnete Silje Brons Petersen in der 2. Minute. Kurz darauf konnte sie bei einem weiteren Versuch durch die kroatische Nationalspielerin Tena Petika nur durch ein Foul gestoppt werden, was mit einer ersten Zweiminutenstrafe geahndet wurde. Rome Severink erhöhte über die rechte Außenposition auf 2:0. Den
1:2-Anschlusstreffer durch Lea Gruber in Unterzahl beantwortete Kaho Nakayama postwendend. Brons-Petersen und erneut unwiderstehlich mit Zug zum gegnerischen Tor Nakayama ließen den BSV auf 5:1 enteilen. Fehlwürfe des Aufsteigers aus Halle und eine aggressive 5:1-Deckung der Gastgeberinnen verhinderten in dieser Phase Erfolgserlebnisse des Zweitligameisters der vergangenen Saison. So sah sich
Gäste-Coach Ines Seidler kurz darauf beim Stand von 2:6 und vier Toren Rückstand bereits in der 9. Minute veranlasst, eine Auszeit zu nehmen. Nachdem Büch einen Siebenmeter für die Wildcats verwandelt hatte, scheiterten diese wenig später wiederholt am Pfosten. Büch war es auch, die sich in Minute 14 eine Zeitstrafe einhandelte, nachdem sie gegen die spielfreudige Nakayama, die viel einstecken musste, überhart eingestiegen war. Gegen Brons Petersen wusste sich die Hallenser Abwehr ebenfalls nicht anders zu helfen, als sie mit unfairen Mitteln zu stoppen. In der 17. Minute zeigten die in der ersten Hälfte nicht immer souveränen Schiedsrichter Klink/Klink der Zwickauer Bank die gelbe Karte, die sich über ein Stürmerfoul der Gegnerinnen beschwerte. BSV-Cheftrainer Norman Rentsch ärgerte nach der Partie immer noch die zu diesem Zeitpunkt wenig wertschätzende Kommunikation des Schiedrichtergespannes, um es vorsichtig zu formulieren. Dies habe sich dann im Verlauf von Hälfte zwei verbessert.
Nun rückte der BSV den Hallenserinnen in der Abwehr noch weiter entgegen und verteidigte recht offensiv. Auf der Gegenseite wusste sich die Ex-Zwickauerin Ela Szott im Gehäuse der Wildcats mehrfach auszuzeichnen. So entschärfte sie mehrere Würfe von Brons Petersen, die verschiedene Wurfvarianten probierte und einige unglückliche Minuten überstehen musste, ehe sie sich wieder fing. Dennoch glänzte Brons Petersen, über die gesamte Spielzeit gesehen, als an diesem Abend mit 7 Treffern beste Torschützin der Gastgeberinnen, nicht nur durch ihre erfolgreichen Abschlüsse, sondern vor allem durch ihre Spielübersicht, Tempo und absolute Willensstärke. Gemeinsam mit Charlotte Kähr führte sie geschickt und intelligent Regie bei eigenen Angriffen.
In der 21. Minute verkürzte die auf der Gegenseite abschlussstarke und ebenfalls siebenfache Torschützin Cara Reuthal auf 9:10. Prompt antworte die überzeugende Severink, der insgesamt 4 Treffer gelangen, über außen. Trotzdem witterten die Wildcats ihre Chance und nutzten das „empty goal“ als taktisches Mittel. Zudem schien ihnen eine Zeitstrafe gegen Brons Petersen in die Karten zu spielen. Der BSV behielt die Nerven, auch bei drohendem Zeitspiel. Nakayama zeigte ihre ganze Klasse, als sie bei einem vermeintlichen Freiwurf ein Dribbling bevorzugte und eine tolle Einzelaktion mit einem Wurfhammer zum 12:9 abschloss. Nichtsdestotrotz gelang es den Gästen, in der
27. Minute durch Sechsfachtorschützin Lea Gruber beim 13:14 erneut auf ein Tor heranzukommen. Den möglichen Ausgleich verhinderte eine wiederum starke Abwehr der Westsächsinnen. Die verbleibenden Augenblicke der ersten Hälfte prägte Nervosität, Fehlwurf BSV, technischer Fehler Halle. Als in der Schlussminute der ersten Halbzeit Julia Niewiadomska nicht mit regulären Mitteln gestoppt werden konnte, entschieden die Unparteiischen auf Strafwurf. Laura Penzes, neben Thara Sieg und Niewiadomska eine von drei Zwickauer Spielerinnen, die in der Vergangenheit das Trikot der Wildcats überstreiften, trat an und hatte die Chance die Führung auszubauen. Allerdings bestätigte Szott ihren Ruf als „Siebenmetertöterin“ und war auf dem Posten. Somit ging es mit einer knappen Führung für Zwickau in die Pause.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff verhinderte Barbara Györi mit einer Parade den Ausgleich. Sie legte mehrere Glanztaten nach und unterstrich erneut ihren immensen Stellenwert für das Team als stets zuverlässiger Rückhalt. Brons-Petersen baute den Vorsprung von der Siebenmeterlinie aus. Nun drehte auch Kapitänin Laura Szabo auf. Nach persönlich torloser erster Halbzeit netzte sie im zweiten Abschnitt viermal ein, zum Teil unter höchster Bedrängnis. Taktisch reagierte der BSV in der Abwehr mit einer 4:2-Deckung und Brons Petersen auf der linken Außenposition. Eine erneute Zeitstrafe gegen die 1,90-m-Hünin Petika und den anschließenden Siebenmeter konnte noch nicht in Zählbares umgemünzt werden. Doch das „empty goal“, also 7:6 im Angriff hier speziell mit zwei Kreisläuferinnen, sollte Früchte tragen. Zwickau zog auf 20:17 davon. Als Severink den Ball zum 21:17 versenkte, war seit Minute 9 erstmals wieder eine
4-Tore-Führung auf der Anzeige zu sehen. Jetzt zog Ines Seidler eine weitere Auszeit. Kurz darauf handelte sich Molenaar zwei Minuten ein und Nakayama stellte mit einer sehenswerten Aktion zum 23:18 erstmals auf fünf Tore plus. Sie schloss einen präzisen Tempogegenstoß mit einem gefühlvollen Heber ab. Penzes, mit diesmal verwandeltem Strafwurf, baute die Führung aus. In Minute 49 verschaffte Rentsch seinen Mädels während einer Strafzeit für Kähr mit einer Auszeit etwas Zeit zum Durchpusten. Victoria Hasselbusch besorgte ebenfalls per Heber das 26:19. In der 57. Minute stellte Kähr beim 29:21 sogar auf einen Vorsprung von 8 Toren. Den Schlusspunkt setzte Penzes mit dem 30:23 zum vielumjubelten ersten Saisonsieg des BSV.
Nach dem Spiel schätzte Ines Seidler ein: „Wir sind schlecht gestartet. In der zweiten Halbzeit ist das erneut passiert. Wir haben es nicht geschafft, ab der ersten Minute pari pari zu spielen.“ Die Trainerin hofft, in der spielfreien Zeit vielleicht einen Testspielgegner zu finden.
Darauf hofft auch Norman Rentsch auf seiten des BSV, gerade mit Blick auf die bevorstehende Aufgabe in Buxtehude. Mit Blick auf das Kräftemessen mit den Wildcats meinte er: „Wir haben alle auf den ersten Sieg gewartet und waren bewusst im Spiel. Als Halle zurückgekommen ist, haben wir bewiesen, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt gemacht haben. Ich denke auch, dass das von uns praktizierte 7:6 („empty goal“ – Anm. der Redaktion) immer besser funktioniert, auch wenn es nicht jeder Zuschauer sehen möchte.“ Angesprochen auf die vergangene torreiche Begegnung gegen Bensheim-Auerbach, mit 81 Toren rekordverdächtig in der ersten Liga, ergänzte er: „Dieses Spiel war speziell. Wir müssen jetzt regenerieren. Heute hat mich die Moral und der Zusammenhalt der Mannschaft überzeugt.“
Cara Reuthal, MVP für Halle, schätzte ein: „Es war eine coole und sehr faire Kulisse. Zwickau hat verdient gewonnen.“ Gerne hätte sie etwas Zählbares mitgenommen, doch gilt es, die Deckung zu verbessern. Leider unterliefen ihrem Team aus ihrer Sicht zu viele technische Fehler und Fehlwürfe.
Als MVP für den Gastgeber wurde Laura Szabo gewählt. Sie hob die aggressive Abwehr ihres Teams hervor und zeigte sich dankbar für die Unterstützung der Fans. 1476 Zuschauer hatten den Weg in die Sparkassen-Arena gefunden, darunter die Fußballer des FSV Zwickau und rund 100 Gästefans.
Ela Szott wurde als ehemalige BSV-Spielerin herzlich vom Publikum empfangen und gab zu: „Es ist ein schönes Gefühl, wieder hier zu sein. Ich war schon ziemlich nervös, doch mit dem Anpfiff war das weg.“
Rome Severink fasste den Heimsieg gut zusammen: „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir mussten gewinnen und haben auch gut angefangen. Gerade in der zweiten Halbzeit war die Unterstützung der Zuschauer phänomenal. Die Abwehr stand sicher. Dadurch konnten wir auch gut angreifen.“
Die ersten beiden Punkte bedeuten für Zwickau den Sprung auf Tabellenplatz 9 vor dem punktgleichen Buxtehuder SV, der eine Partie mehr absolviert hat. Jene Mannschaft ist der Gegner im nächsten Auswärtsspiel. Zum Ende der vergangenen Saison gab es dieses Duell in drei knappen Spielen, wobei Zwickau einmal auswärts triumphieren durfte. Gelingt dies erneut, wäre der Anschluss zum Tabellenmittelfeld hergestellt.
BSV: Györi, Sieg; Szabo 4, Gierga, Kähr 5, Brons Petersen 7/1, Walkowiak, Hasselbusch 2,
Penzes 2/1, Niewiadomska, Nakayama 6, Reuter, Severink 4
Halle-Neustadt: Szott, Ilic; Pallas, Molenaar, Marksteiner, Büch 3/2, Hertha 3, Gruber 6, Polakova, Röpcke, Reuthal 7/1, Petika, Kieffer, Strauchmann 4
Siebenmeter: BSV 3/4 / Halle-Neustadt3/3
Zeitstrafen: BSV 3, Halle-Neustadt 6
Schiedsrichter: Klinke, Klinke
Zuschauer: 1476 (Sparkassen-Arena Zwickau)
Text: Jörg Ungethüm
Fotos: (C) Marko Unger













