Foto: R.Köhler/propicturi

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"Solange ich noch fit bin, spiele ich weiter"

24. März 2018  I  In der Presse

Zweitliga-Handballerin Jenny Choinowski über mögliche Ursachen für den hinteren Tabellenplatz und ihre Vorliebe für die Zahl Sieben
erschienen am 24.03.2018 von T. Croy-  in der Freien Presse Zwickau

Zwickau. Sie hat den Zwickauer Frauenhandball im vergangenen Jahrzehnt entscheidend mitgeprägt. Seit 2008 spielt Jenny "Joy" Choinowski in der Zweitliga-Mannschaft des BSV Sachsen. In der aktuellen Saison führt sie mit 104 Treffern (davon 47 Siebenmeter) die vereinsinterne Torjägerliste an. Mit der 28-Jährigen, die ihrem Team auch in der kommenden Saison erhalten bleibt, hat sich Thomas Croy unterhalten.

Sie haben Ihren Vertrag beim BSV erneut verlängert. Mussten Sie lange darüber nachdenken?

Natürlich. Ich denke jedes Jahr immer wieder neu darüber nach. Ich habe mir immer gesagt: Solange ich körperlich noch fit bin und keine Verletzungsprobleme habe, werde ich immer ein Jahr weiterspielen. Es kann natürlich mal sein, dass ich irgendwann sage, jetzt reicht es dann doch. Aber bisher bin ich noch nicht an dem Punkt angelangt. Deshalb habe ich verlängert.

Als dienstälteste Spielerin der Mannschaft haben Sie viele Höhen und Tiefen mitgemacht. Sind diese Erfahrungen von Vorteil, gerade wenn die Situation mal brenzlig wird?
Bis auf letztes Jahr waren wir eigentlich nie bis zum Ende hin so mit dem Abstieg beschäftigt. Davor war es kein Thema, oder wir hatten uns immer rechtzeitig gefangen. Aus der Erfahrung vom letzten Jahr können wir profitieren. Wir wissen genau, das wollen wir nicht nochmal bis zum letzten Spieltag herauszögern. Auf gar keinen Fall. Wir wollen das gern vorher geklärt haben und hoffen natürlich, dass es jetzt so weitergeht wie in den vergangenen Wochen. Darauf müssen wir aufbauen. Vielleicht können wir ja auch irgendwo noch einen Überraschungspunkt holen, um uns ein bisschen weiter oben anzusiedeln.

Woran mag es liegen, dass Zwickau diese Saison im Tabellenkeller festhängt? Ist die Konkurrenz stärker geworden?
Ich kann es selber nicht sagen. Wir sind ja auch kein schlechtes Team. Vielleicht sind es die vielen Wechsel jedes Jahr. Denn man braucht wirklich lange, um die Mannschaft so zu gestalten, dass alle einander spielerisch verstehen. Früher hatten wir das nicht. Da ist mal ein Spieler gegangen, einer neu gekommen. Die Mannschaft kannte sich. Jeder wusste, was der andere macht. Vielleicht ist das ein Problem. Vielleicht ist es auch ein Trainerproblem gewesen. Keine Ahnung. Jetzt wird auf jeden Fall mehr Leistung gezeigt als in der Hinrunde. Sobald wir da mit drei Toren hinten lagen, sind die Köpfe zu Boden gesunken. Jetzt haben wir das Selbstvertrauen, dass wir uns da wieder herankämpfen und auch so ein Spiel noch gewinnen können.

Trainerin Corina Cupcea, die wie in der vergangenen Saison als Feuerwehrfrau eingesprungen ist, bringt aus ihrer aktiven Zeit eine Menge Routine mit. Berater Norman Rentsch redet viel mit den Spielerinnen - hilft das?
Das hilft. Und die taktischen Varianten. Sich wirklich akribisch auf den Gegner vorzubereiten und ihn vor Probleme zu stellen, die er hoffentlich nicht lösen kann. Das macht ,Cori' sehr gut, beim Gegner Angriffspunkte zu erkennen und uns darauf einzustellen. Zum Beispiel war es in Bremen ganz entscheidend, wie wir Merle Heidergott in den Griff bekommen. Deshalb haben wir mit Tina (Zuber) als vorgezogene Deckung gespielt. Das hat recht gut funktioniert. Gegen uns hat sie nur drei Feldtore erzielt.

Mit der Trikotnummer 27 haben Sie Ihr aktuelles Alter schon hinter sich gelassen. Welche Bedeutung hat die Zahl für Sie?
Ich wollte eigentlich immer was mit einer Sieben haben. Von klein auf hatte ich die 7, 17 oder 27 - je nach Altersstufe. Als ich in die erste Mannschaft gekommen bin, hatte Emi (Uchibayashi) schon die 17. Die 7 war auch vergeben. Da war halt das Naheliegendste die 27.

Sie spielen mittlerweile seit zehn Jahren in der ersten Mannschaft. Wie hat sich der Handball in dieser Zeit entwickelt?
Das ist schwer zu sagen. Es ist auf jeden Fall schneller geworden. Früher waren Ergebnisse über 30 Tore eher selten - das ist ein Zeichen, dass mehr Angriffe gespielt werden. Andererseits ist es von der Abwehr her nicht mehr so robust wie damals. Der Handball ist schneller geworden, aber qualitativ nicht hochwertiger. Das ist schade. Damals war die 2. Liga deutlich stärker. Jetzt ist es zwar ausgeglichener, aber das Niveau nicht mehr so hoch.

Viele frühere Teamkolleginnen haben aufgehört. Ist es schwer, sich immer auf neue Mitspielerinnen einzulassen?
Das dauert wirklich seine Zeit, bis man sich findet und neue Spielerinnen integriert sind. Es ist immer traurig, wenn Spielerinnen aufhören oder weggehen, die längere Zeit hier waren und mit denen man auch gut zurechtgekommen ist.


Sie haben beim BSV Sachsen tliche Trainer miterlebt. Von wem haben Sie das meiste gelernt?

Ich glaube, von jedem nimmt man sich irgendwas mit. Auch wenn manche ein bisschen länger da waren als andere. Jeder Trainer bringt irgendetwas eigenes mit - es nicht immer alles gut, aber auch nicht alles schlecht.

Um nochmal auf die Zahl Sieben zurückzukommen - werden Sie jetzt weitermachen bis 37?

Mindestens. (lacht) Nein, ich glaube, soweit schaffe ich es dann doch nicht.

 

 

Ein Kind der Wendezeit

Jenny Choinowski ist ein Kind der Wendezeit. Geboren am 6. Mai 1989, hat sie sich seit ersten sporadischen Einsätzen in der ersten Mannschaft des BSV Sachsen Zwickau 2008 im Laufe der Jahre zu einer Stammspielerin mit Führungsqualitäten entwickelt. In ihrer langen Handball-Laufbahn ist sie von schwerwiegenden Verletzungen verschont geblieben.

Brachte sie es 2009/10 auf neun Tore und in der Saison darauf auf 57 Treffer, so steigerte sie ihre Ausbeute 2011/12 auf 90 Tore. Mit 161 erzielten Treffern, davon vier per Siebenmeter, schaffte es Jenny Choinowski in der Saison 2012/13 in die Top 10 der besten Torjägerinnen der 2. Liga. Sie rangierte im Endklassement auf einem respektablen 8. Platz, immerhin noch vor Ex-Nationalspielerin Ania Rösler (SG BBM Bietigheim) und der Ex-Zwickauerin Ingrida Bartasaviciene vom damaligen Erstliga-Aufsteiger HSG Bensheim-Auerbach. Zieht man die verwandelten Strafwürfe ab, war "Joy" mit 157 Toren sogar Liga-Spitze, ex aequo mit Sarah Everding vom SC Greven 09. Die damalige Nummer 1 der Liga, Jana Pollmer (SG 09 Kirchhof), hatte von ihren 208 Toren nur 135 aus dem Spiel heraus erzielt.

Seit August 2016 fungiert Jenny Choinowski in einer Doppelrolle mit Teamkollegin Silvia Sajbidor als Kapitänin der Zweitliga-Mannschaft.Die 28-Jährige ist als Bürokauffrau für ein Dienstleistungsunternehmen tätig. Job und Handball bekommt sie problemlos unter einen Hut. Choinowski: "Ich arbeite bis halb fünf, danach ist Training."

Sie hält Kontakt zu früheren Teamkolleginnen. Zum Beispiel mit Melanie Beckert, mit der sie lange im Nachwuchs und dann auch in der ersten Mannschaft zusammengespielt hat.



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