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Handball-Gene liegen in der Familie

14. Januar 2017  I  In der Presse

Etliche erfolgreiche Athleten sind familiär überhaupt nicht vorbelastet. Doch nicht selten treten junge Leute in die elterlichen Fußstapfen. Es gibt Sportler, die haben das Talent in die Wiege gelegt bekommen.
Von Thomas Croy
erschienen am 14.01.2017

Reinsdorf/Zwickau. Sie begegnen einander nicht nur zu Hause, ihre Wege kreuzen sich auch auf dem Parkett in Neuplanitz: Ute Sesselmann als Co-Trainerin der C-Jugend des BSV Sachsen Zwickau, Tochter Tina als Spielerin der B-Jugend.
Zum Handball gekommen sind beide jedoch auf Umwegen: Als Kind probierte sich Ute zunächst im Turnen, beim Schwimmen und in der Leichtathletik aus, ehe sie zum Handball fand. Unter ihren vorherigen Familiennamen Ebert und später Donath war sie ein Publikumsliebling in Neuplanitz. Mit der BSG Sachsenring wurde sie in den 1980er Jahren mehrmals die beste Betriebssportgemeinschaft der DDR-Oberliga hinter den leistungsstärkeren und finanziell besser ausgestatteten Clubs. Nach der Wende durfte sie auch noch Bundesligaluft schnuppern - zwei Jahre im Oberhaus, danach in der 2. Bundesliga. 1990 kam sie bei einem internationalen Turnier in Varna sogar zu A-Länderspielen. Ute Sesselmann zählt unbestritten zu den lebenden Ikonen des Zwickauer Frauenhandballs.
Der Name ihrer Tochter taucht im Protokoll der Stadtmeisterschaften im Schwimmen 2008 als Jahrgangssiegerin über 25 Meter Brust auf, übrigens vor Emely Theilig, die heute für den HC Leipzig und die U-18-Nationalmannschaft spielt. Tina Sesselmann war damals beim 1. SC Flamingo aktiv. "Als meine Freundinnen aufgehört haben, habe ich mir auch was anderes gesucht", erzählt die 16-Jährige. "Und da meine Eltern Handball gespielt haben, dachte ich mir: ,Probier' das doch mal!' Und bin dabei geblieben."
Tinas Vater, Volkmar Sesselmann, ist als Handballer und Trainer in der Region kein Unbekannter. Großvater Heinz Sesselmann war 1959 Weltmeister im Feldhandball. Cousin Pascal Ebert (20) gehört zum Kader des Zweitligisten EHV Aue. Ihre ältere Schwester Sara (30) war 2001 Sachsenmeisterin mit der C-Jugend. Tina selbst gewann 2013 mit Zwickau die ostdeutsche Bestenermittlung der D-Jugend und wurde 2014 unter Trainer Norman Rentsch sowohl Mitteldeutsche als auch Landesmeisterin der C-Jugend.
Und angefangen hat alles bei ihrer Mutter, die damals die Minis in Wilkau-Haßlau betreute. "Tina ist in der 1. Klasse dazugekommen", erinnert sich Ute Sesselmann. Die Lehrerin für Sport und Deutsch am Gymnasium "Am Sandberg" Wilkau-Haßlau und Schulsportreferentin im Handballverband Sachsen ließ ihre Laufbahn in Fraureuth ausklingen und half danach noch bei Chemie Zwickau aus. Nach einem Anriss der Supraspinatussehne war endgültig Schluss mit dem aktiven Sport. Ihre Position hat die 54-Jährige, die auf Halbrechts und Rechtsaußen spielte, jedoch nicht vererbt. "Ich bin ja Rechtshänder. Ich spiele auf Mitte und Linksaußen", betont Tina Sesselmann. Ihr großes Vorbild ist Anders Eggert von der SG Flensburg-Handewitt. "Den finde ich gut", verrät die 16-Jährige. Er ist auch ein Grund dafür, weswegen sie eine andere Trikotnummer als ihre Mutter gewählt hat. "Ich hätte es gern gesehen, dass sie meine 5 weiter nimmt", gesteht Ute Sesselmann. "Aber sie hat die 7 bevorzugt." Die trägt ihr Cousin, der beim EHV spielt, ebenso wie ihr Idol Anders Eggert.
Dass die Mutter am gleichen Gymnasium unterrichtet, das auch Tina besucht hat, bewertet die junge Dame rückblickend mit gemischten Gefühlen. "Es gab Vor- und Nachteile. Ein Nachteil war zum Beispiel, wenn ich eine schlechte Note hatte, wusste sie es meist eher als ich. Ein Vorteil: Auf dem Weg zur Schule konnte sie mich immer gleich mitnehmen." Die Zeiten sind passé. Die 16-Jährige macht derzeit eine Ausbildung zum Erzieher an der BFS Wildenfels. "Ich würde später gern in einem Kindergarten arbeiten, bei den ganz Kleinen", nennt Tina Sesselmann ihr Berufsziel. Ausbildung und Sport bringt sie locker unter einen Hut. "Ich habe bis um 3 Schule. Und das Training beginnt erst halb 5 oder halb 6." Trainiert wird dreimal pro Woche. Am Wochenende hat die von Christoph Nützel betreute B-Jugend des BSV manchmal zwei Spiele - in der Sachsenliga und in der mitteldeutschen Oberliga.
Wie beurteilt Ute Sesselmann die Leistung ihrer Tochter? "Sie stellt ihr Vermögen ein bisschen unter den Scheffel", übt die Mutter konstruktive Kritik. "Sie hat eigentlich die athletischen und technischen Voraussetzungen, macht im Spiel aber zu wenig draus, um Tore zu werfen. Sie könnte mehr aus sich herausholen." Als die B-Jugend am Mittwochs gemeinsames mit der zweiten Frauenmannschaft trainierte, rief ihr Andy Palm deshalb zu: "Tina, trau Dich!"
Handball macht der 16-Jährigen Spaß. Ihre sportlichen Ziele: "Erstmal will ich es in die ,Zweite' schaffen, und danach würde ich schon gern in der ,Ersten' spielen."
 


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Spielplan BSV I

19. November 2017  I  16:00 Uhr

Kurztabelle BSV I

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  1   Kurpfalz Bären   13:3  
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  ...  

Stand: 18.11.2017  I  00:04 Uhr Mehr

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