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Bietigheim Sponsor Eberhard Bezner: "Eingeschlagenen Weg kontinuierlich fortsetzen"

24. März 2016  I  In der Presse

ewo  / HBF
Das Frauenteam der SG BBM Bietigheim steht für große Namen, ein im Ligavergleich großes Budget und ambitionierte Ziele - und sorgt für kontroverse Diskussionen in der Bundesliga. Im Interview stellen sich Hauptsponsor Eberhard Bezner, Beiratsvorsitzender der OLYMP Bezner KG in Bietigheim-Bissingen und auch der SG BBM, und SG BBM Sportdirektor Gerit Winnen, ehemaliger erfolgreicher Bundesligaspieler, den Fragen von handball-world.com zu den Themen Handballtradition in Bietigheim, Vereinsziele und Spielermotivation – und widersprechen gleichzeitig dem gängigen Klischee mangelnder Werbewirkung des hochklassigen Frauenhandballs.
Flagschiff des Bietigheimer Handballs ist die Frauen Bundesliga Mannschaft, die vor dieser Saison hochkarätig verstärkt wurde, der internationale Wettbewerb ist das klare Ziel. Wie zufrieden sind Sie bisher mit dem Saisonverlauf?

Gerit Winnen:
Es ist uns gelungen, uns nach zwei Jahren Erstligazugehörigkeit uns als Marke zu etablieren. Dadurch war es möglich, einige unserer erklärten Wunschspielerinnen von unserem Konzept zu überzeugen, wodurch unser Team auf zentralen Positionen namhaft verstärkt werden konnte. Der Transfer von Susann Müller war hier sicherlich ein Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte.
Unterm Strich haben wir nun ein herausragendes Team und mit Martin Albertsen einen international erfahrenen Top-Trainer. Mit insgesamt fünf Nationalspielerinnen war die SG BBM repräsentativ bei der Handball-WM der Frauen vertreten. Angela Malestein, Martine Smeets und Tess Wester kamen mit WM-Silber für die Niederlande im Gepäck zurück, Tess Wester wurde ins All-Star-Team gewählt. Susann Müller und Fabiana Diniz haben jeweils mit ihren Teams Deutschland und Brasilien das Achtelfinale erreicht.

All das unterstreicht die hohe Qualität unseres Kaders, der sich aber auch in der Bundesliga mehrfach bewährt und sehr gut fortentwickelt hat. Nach 18 Spieltagen stehen wir auf Platz drei mit Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Natürlich freut uns das ungemein. Wer von den Spitzenteams letztendlich den Meistertitel holen wird, ist noch reine Spekulation, mit dem bisherigen Saisonverlauf sind wir jedenfalls durchaus zufrieden. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist hervorragend und wir freuen uns auf die anstehenden Spiele und ein hoffentlich in jeder Hinsicht fair ausgetragenes Saisonfinale.

Herr Bezner, das OLYMP Logo ist untrennbar mit dem Handball der SG BBM verbunden. Was ist die Motivation für Sie, als Seniorchef des Unternehmens und ganz privat, den Handball in Bietigheim und speziell den Frauenhandball zu fördern?

Eberhard Bezner:
Dem Bietigheimer Handball bin ich seit meiner Jugend eng verbunden. Wir haben noch Feldhandball gespielt, aber waren damals schon sportlich erfolgreich. In der Regel waren es nur Männerteams und der Handball der Nachkriegszeit hatte insgesamt nur wenig mit dem heutigen Sport zu tun. Aber Handball war schon in diesen Jahren ein beliebter Zeitvertreib in Bietigheim, Bissingen und Metterzimmern. In den 1980er-Jahren wurde schließlich Eishockey in Bietigheim populär, hatte zahlreiche Sponsoren und lief dem Handball den Rang ab. Dem wollte ich mit unserem Engagement etwas entgegensetzen, damit der Traditionssport Handball weiterhin die Chance hat, erfolgreich gespielt zu werden.

Sie sind also zur Rettung der Bietigheimer Handballtradition angetreten?

Eberhard Bezner:
Meine ursprüngliche Motivation kann man durchaus so beschreiben. Ich wollte dem Eishockey, der keine Wurzeln in unserer Stadt hat, etwas entgegensetzen, und zwar einen Sport, den schon Generationen von Bietigheimern betrieben haben. Für mich war das nicht der omnipräsente Fußball. Langfristig war mir natürlich auch sportlicher Erfolg wichtig, auch im Hinblick auf die Werbewirkung für unser Unternehmen.

Zweiflern, die eine Werbewirkung des Frauenhandballs in Frage stellen, entgegne ich: Vergleichen Sie mal den Kosten-Nutzen-Faktor einer vierfarbigen Anzeige mitten auf der ersten Sportseite einer überregionalen Tageszeitung mit einem Foto unserer Spielerinnen vom Spiel am Wochenende, das OLYMP Logo mitten auf der Brust. Da macht es für mich auch betriebswirtschaftlich Sinn, sich sportlich in meiner Heimatstadt zu engagieren, ganz abgesehen von der persönlichen Leidenschaft für diesen Sport.

 
Die SG BBM Bietigheim ist einer von drei Clubs in Deutschland, die ein Frauen- und ein Männerteam in den Topligen haben. Im Gegensatz zu den anderen Clubs und dem Trend in Deutschland haben Sie sich entschieden, Frauenhandball stärker als Männerhandball zu fördern. Warum?

Eberhard Bezner:
Das hat unterschiedliche Gründe. Einerseits einen schlichten betriebswirtschaftlichen Ansatz. Um Frauenhandball hochklassig erfolgreich zu betreiben, braucht man ein real deutlich geringeres Budget als im Männerhandball.

Abgesehen davon macht mir die Zusammenarbeit mit unseren Spielerinnen aber auch sehr viel Spaß. Die Mädels sind Ikonen unseres Clubs, Idole der Kinder, die in Bietigheim Handball spielen. Zudem sind sie hervorragende Werbeträger, etliche unserer Spielerinnen auch mit ihren Nationalteams erfolgreich, gewannen (Gold-)Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften und repräsentieren auch dort in hervorragender Weise den Bietigheimer Handball und die Partnerunternehmen unseres Clubs.

Herr Winnen, Sie hatten eine lange, erfolgreiche Karriere in der Handball Bundesliga, sind dreimal in die erste Bundesliga aufgestiegen, haben für TUS Hofweier, TV Willstätt, Stralsunder HV, TUS Nettelstedt-Lübbecke und zuletzt SG BBM Bietigheim gespielt, waren so mit dem Herrenhandball eng vertraut. Wäre es nicht naheliegender gewesen, für das Männerteam tätig zu werden?

Gerit Winnen:
Mein Handball-ABC habe ich in der ehemaligen Handballhochburg Hofweier erlernen dürfen, dafür bin ich sehr dankbar. Das war der Grundstein meiner sportlichen Laufbahn. Eine schwere Knieverletzung beendete in der Saison 2007/2008 dann meine aktive Karriere. Die Affinität für Mode, die bei mir in der Familie liegt, mein Interesse an Marketing, welches ich parallel zur Bundesliga studierte, brachten mich 2006 zu OLYMP, wo ich seitdem im Marketing tätig bin. Seit Juni 2011 bringe ich mich parallel dazu, aber deshalb keineswegs mit weniger Herzblut, als Sportchef für die Bundesligafrauen ein.

Es sind zwei anspruchsvolle und komplexe Jobs, aber da ich sehr ehrgeizig und ambitioniert bin, gelingt es mir weitgehend, beiden Aufgaben gleichermaßen gerecht zu werden. Für Privatleben bleibt da allerdings nicht mehr viel Zeit. In enger Abstimmung mit Herrn Eberhard Bezner und der SG BBM haben wir das damalige Zweitligateam zu einem der Top-Teams in einer 1. Bundesliga mit hoher Leistungsdichte in der Spitze entwickeln können. Gemeinsam setzen wir auch weiterhin Akzente, um den Erfolg mittel- bis langfristig zu sichern. Inzwischen ist mir der Frauenhandball mindestens so vertraut wie es der Männerhandball zu meiner aktiven Zeit war. Dabei sind die persönlichen Kontakte von damals auch heute noch unbezahlbar.

Wie ist die Stellung des Handballs in der Bietigheimer Sportlandschaft? Bringt der sportliche Erfolg gute Kontakte in die Lokalpolitik? Steht diese hinter den Bestrebungen internationalen Handball in Bietigheim zu etablieren?

Eberhard Bezner:
Wir haben einen sehr guten Draht ins Bietigheimer Rathaus, ich war lange selbst Ratsmitglied und stehe weiterhin in gutem Kontakt zu den Amts- und Entscheidungsträgern. Das ist natürlich praktisch in der alltäglichen Netzwerkarbeit für unser Team.

Gerit Winnen:
Unsere Idee, Bietigheim solle sich als Austragungsort für die Frauen WM 2017 bewerben, wurde vom Bürgermeister sehr enthusiastisch aufgegriffen. Die Stadt hat eine erfolgreiche Präsentation beim DHB und der IHF vorgelegt und wir freuen uns darauf, 2017 die Handballwelt in Bietigheim zu begrüßen. Die WM passt hervorragend in unser Konzept, den Fans spannende Handballevents auf internationalem Niveau anzubieten. Spielerinnen wie Anca Giegerich, Antje Lauenroth und Julia Behnke haben sich bei uns zu Nationalspielerinnen entwickelt, auch darauf sind wir stolz.

Wie steht es um die geplante Ballsporthalle in Bietigheim, dieses Projekt wurde von der Lokalpolitik 2015 auf Eis gelegt. Wie stehen die Chancen die Halle in den nächsten Jahren zu bauen?

Eberhard Bezner:
Die Viadukthalle als traditioneller Spielort der Bietigheimer Teams ist in die Jahre gekommen. Wir haben bei der SG BBM allein 30 Jugendteams im Spielbetrieb, kurzzeitig kam es sogar aus Platzmangel zu einem Aufnahmestopp für Kinder und Jugendliche. Eine weitere Ballsporthalle wird daher dringend benötigt, um den Trainingsbetrieb zu bewerkstelligen. Der Lokalpolitik ist dieser Bedarf bekannt und ein Anliegen.

Die Bedeutung des Sports ist gerade in der heutigen Zeit in den verschiedensten Zusammenhängen eher gestiegen. Sei es bei der Integration von Flüchtlingen als aktuellstes Beispiel oder schlicht der soziale Aspekt des Mannschaftssports im Allgemeinen, der für Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Herkunft einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leistet. Daher sind wir zuversichtlich, dass in nicht allzu ferner Zukunft eine weitere Ballsporthalle in Bietigheim gebaut werden wird.

Ihr Engagement für den Bundesligahandball bringt aktuell sportliche Erfolge, aber hat der Beitrag eine nachhaltige Wirkung für den Nachwuchs am Ort?

Gerit Winnen:
Nachwuchsarbeit und Talentförderung stellen für uns zentrale Eckpfeiler dar. Das zeigt zuletzt die Verpflichtung von Celina Meißner. Unsere Lizenzspielerinnen sind fester Bestandteil des Nachwuchskonzepts, arbeiten selbst als Trainerinnen der Jugendteams und geben ihre Erfahrung und ihr Wissen so ganz praktisch weiter. Für unsere Kinder und Jugendlichen sind es unschätzbare Erlebnisse, mit Nationalspielerinnen zu trainieren und von ihnen zu lernen. Die Spielerinnen kommen so schnell in Bietigheim an, sind integriert und knüpfen Kontakte vor Ort. So ist das Konzept in zweierlei Weise sinnvoll.

Eberhard Bezner:
Nina Wörz und Annamária Ilyés sind für mich die perfekten Beispiele für die Verbindung zwischen Topspielerinnen und Nachwuchs bei der SG BBM. Nina Wörz hat einen riesigen Fundus internationaler Erfahrung, den sie neben ihrer Rolle als Kapitän des Bundesligateams bei ihrer Arbeit im Management unserer Talentschmiede einbringt und von der unsere Talente ganz direkt profitieren. Annamária Ilyés unterstützt unser Nachwuchsprojekt bereits seit einem Jahr ebenfalls erfolgreich.

Wie ist das Niveau der Jugendteams aktuell? Im Frauenbereich ist die SG mit einer Zweitvertretung in der 3. Liga ideal aufgestellt, beim weiblichen Nachwuchs dagegen bisher nicht in der Jugend Bundesliga vertreten. Streben Sie für die neue Saison die Teilnahme an der A-Jugend Bundesliga an, auch um für jugendliche Talente interessanter zu werden? Die Vereinsdichte im Großraum Stuttgart ist erheblich und somit vermutlich auch der Wettbewerb um Talente.

Gerit Winnen:
Das ist ein klares Ziel für die nächsten Jahre, ganz so weit sind wir noch nicht mit unserer A-Jugend. Die Mädchen werden auch in der kommenden Saison in der Baden-Württemberg Oberliga an den Start gehen. In Zukunft möchten wir aber natürlich Jugend Bundesliga spielen, das aber mit einer Mannschaft, die dort auch direkt konkurrenzfähig ist. Eine erfolgreiche Talentförderung kann man nicht aus dem Boden stampfen, wir entwickeln uns solide und Schritt für Schritt, ähnlich wie es in den vergangenen Jahren auch mit unserem Bundesligateam geschehen ist. Auch dort hat es einige Jahre gedauert, bis wir die Spitze der Liga erreicht haben.

Die SG BBM ist in ihrer Entwicklung von der Konkurrenz durchaus kritisch beobachtet worden. Der Vorwurf "Mit viel Geld werden Wunschspielerinnen nach Bietigheim geholt, die Konkurrenz schlicht überboten, man versuche in Bietigheim mit einem großen Budget Erfolg zu kaufen." Wie stehen Sie zu solchen Äußerungen?

Eberhard Bezner:
Wir schauen nur auf unsere Arbeit, kümmern uns nicht um diese typisch deutsche Neidkultur. Es sollte positiv aufgenommen werden, wenn an einem Standort gute finanzielle Voraussetzungen für den Sport gegeben sind. Aber das Gegenteil ist der Fall, es wird misstrauisch beäugt, was bedauerlich ist, denn es ist für den Sport insgesamt doch erfreulich, dass es Standorte gibt, die mit einem guten Budget arbeiten können.

Wir möchten in den nächsten Jahren den eingeschlagenen Weg kontinuierlich fortsetzen, uns in der Spitze der Bundesliga etablieren, international unsere ersten Schritte machen und parallel die Talentförderung ausbauen.

Gerit Winnen:
Wir sehen uns auf einem sehr guten Weg, die zahlreichen Vertragsverlängerungen geben uns Recht, ebenso die positiven Rückmeldungen unserer Teammitglieder, die sich sehr wohlfühlen in Bietigheim und gern weiterhin Teil unseres Projektes sein möchten. Qualität setzt sich immer durch. Grundsätzlich fahren wir das SG Frauen-Schiff auf Sicht und gehen keinerlei finanzielles Risiko ein. Unser Team wird für die neue Saison auch nur punktuell verstärkt, da wir bereits jetzt gut aufgestellt sind und auf Kontinuität setzen. Mit diesem Team und der Bietigheimer Talentschmiede werden wir noch viel Freude haben, da bin ich mir sicher.

Herr Bezner, Herr Winnen, herzlichen Dank für das Gespräch!




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Spielplan BSV I

19. November 2017  I  16:00 Uhr

30 : 23

Kurztabelle BSV I

  Pl   Team   Pkt  
  1   HL Buchholz..   14:2  
  2   Kurpfalz Bären   13:3  
  3   FSG Waiblingen-Korb   11:5  
  ...  

Stand: 20.11.2017  I  11:40 Uhr Mehr

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