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"Für 1. Liga noch viele Hausaufgaben"

31. Januar 2020  I  In der Presse

Handball: Präsidentin Sylvia Wössner vom BSV Sachsen über ihr erstes Jahr im Amt und neue Anforderungen

Zwickau. Sportlich läuft es bei den Handballerinnen des BSV Sachsen Zwickau so gut wie lange nicht. Wie es im Hintergrund aussieht, darüber sprach Anika Heber mit Präsidentin Sylvia Wössner.

Freie Presse: Sie stehen seit Oktober 2018 an der Spitze des BSV Sachsen. Haben Sie die Entscheidung für das Präsidentenamt schon einmal bereut?
Sylvia Wössner: Überhaupt nicht. Die Arbeit macht Spaß und ist sehr interessant. Natürlich muss ich viel Zeit investieren, vielleicht sogar ein wenig mehr als ich am Anfang gedacht habe. Mindestens ein- bis zweimal pro Woche bin ich in der Halle oder in der Geschäftsstelle, mit Norman Rentsch telefoniere ich eigentlich fast jeden Tag.

Mussten Sie lange nachdenken, als Beiratsmitglied Volker Schneider Ihnen sozusagen das Amt angetragen hat?
Ich habe es mir schon gut durch den Kopf gehen lassen. Schließlich gehe ich arbeiten und habe auch noch ein paar Hobbys. Das Golfspielen ist mir als Ausgleich wichtig. Da war schon die Frage, ob das zeitlich alles zusammenpasst. Bisher klappt es gut und auch mein Mann unterstützt mich sehr. Wir sind bei jedem Heimspiel und versuchen auch auswärts dabei zu sein. Das schlimmste sind die Spiele am Liveticker. Da erfährt man nur die Tore und sonst nichts.

Kurz nach Ihrem Amtsantritt folgte die Entlassung von Trainer Rüdiger Bones. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Es war für mich nicht leicht, ich kannte weder die Menschen im Verein noch das Umfeld. Ich habe aber gemerkt, dass es nicht klappt zwischen Trainer und Mannschaft. Und es lief sportlich nicht, sodass wir handeln mussten. Das entscheidende Gespräch mit Rüdiger Bones habe ich gemeinsam mit Beiratsmitglied Volker Schneider geführt.

War da klar, dass Norman Rentsch als Nachfolger kommt?
Nein. Viele haben gesagt, dass wir uns mit der Suche nach einem neuen Trainer nicht lange Zeit lassen können. Von Corina Cupcea kam der Hinweis, dass Norman zur Verfügung stehen würde. Ende Dezember habe ich ihn das erste Mal getroffen. Heute bin ich sehr froh, dass wir ihn verpflichtet haben.

Abstiegskampf in der vergangenen Saison, jetzt Kampf um die Spitze - wie hat sich Ihre Arbeit als Präsidentin verändert?
Es war Anfang 2019 wirklich keine leichte Zeit, manchmal hatte ich schlaflose Nächte. An Dinge wie Sponsorenakquise war überhaupt nicht zu denken. Dabei ist das sehr wichtig, auch weil wir durch die vielen Trainerwechsel noch finanzielle Belastungen haben. Dank des sportlichen Erfolges können wir uns jetzt auf diese Dinge konzentrieren und der Tabellenstand hilft, potenzielle Sponsoren zu überzeugen. Wir sind insgesamt nach außen hin präsenter und zeigen, dass wir ein toller, familiärer Verein mit bodenständigen und nahbaren Sportlerinnen sind.

Der ein oder andere Fan träumt sicher vom Aufstieg.
Für die 1. Liga müssen wir noch sehr viele Hausaufgaben erledigen. Das betrifft in allererster Linie den Kader. Der ist aktuell hervorragend besetzt, aber zu klein. Handball ist ein schneller, körperlicher Sport, da braucht man eine starke Bank. Ein bis zwei zusätzliche Spielerinnen können wir uns für die nächste Saison vorstellen. Das muss natürlich finanziell machbar sein und das gilt erst recht für die 1. Liga. Hinzu kommen Anforderungen des Verbandes.

Welche wären das?
Es geht vor allem um technische Voraussetzungen. So sollen alle Spiele per Livestream im Internet gezeigt werden. Das wird nächstes Jahr sogar ein Thema in der 2. Liga werden. Wir filmen bereits alle Partien und stellen sie den anderen Vereinen auf einem Internetportal zur Verfügung. Für den Stream brauchen wir aber jemanden, der es kommentiert - und das fachlich fundiert. Der Aufwand rund um den Sport wird immer mehr und die finanziellen Belastungen für die Vereine höher.

Sie haben rund ein Viertel Ihrer Amtszeit absolviert. Wo steht der BSV am Ende der fünf Jahre?
Unser Ziel diese Saison war es, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das haben wir bis jetzt bestätigt und zeigen, dass wir oben mitspielen können. Wenn ich mir unser Team anschaue, mit welcher Begeisterung und welchem Einsatzwille die Spiele bestritten werden und welches Potenzial in der Mannschaft steckt, ist der Gedanke 1. Liga sportlich gesehen durchaus gerechtfertigt. Es gilt aber, wie erwähnt, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein wichtiger Punkt ist zudem die Förderung unserer Jugendspielerinnen und langfristig eine mögliche Integration in das Bundesligateam. An diesen Punkten arbeiten wir. Ich für mich kann sagen, dass ich mich freue, ein Teil des BSV-Teams zu sein und mir noch viele Jahre der Zusammenarbeit vorstellen kann.


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