Abstiegskampf ist nichts für schwache Nerven. Foto: Ralph Koehler/propicture

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Die Feuerwehrfrau des BSV

03. April 2018  I  In der Presse

Corina Cupcea will die Zwickauer Handballerinnen zum zweiten Mal zum Klassenerhalt führen. Es ist ein nervenaufreibender Kampf, aber auch eine Herzensangelegenheit.

Von Thomas Treptow
erschienen am 03.04.2018 in der Freien Presse

Zwickau. "Wir müssen das schaffen, an etwas anderes will ich gar nicht denken", sagt Corina Cupcea und zieht die Augenbrauen nach oben. Die Trainerin der Zwickauer Handballdamen meint den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga, den sie mit dem BSV Sachsen zum zweiten Mal bewerkstelligen will. Knall auf Fall übernahm die 36-Jährige nach dem 8. Spieltag das Amt vom Kroaten Marko Brezic, der nach der Niederlage bei Halle-Neustadt überraschend das Handtuch warf. "Er hat gesagt, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht. Das respektiere ich auch", blickt die gebürtige Rumänin zurück.

An einem Freitag leitete Corina Cupcea erstmals das Training. Zwei Tage später fuhr sie mit dem Team nach Hannover und verlor auch das siebente Spiel. Magere drei Pünktchen hatte der BSV damals auf dem Konto. Es sah schlecht aus. Jetzt, nach 22. Spieltagen, sind die Chancen auf den Klassenerhalt wieder intakt. Wie drei weitere Mannschaften (Trier, Bremen, Hannover) haben die Zwickauerinnen 17 Punkte auf dem Konto. Dieses Quartett wird wohl den zweiten Absteiger neben dem bereits abgeschlagenen Tabellenletzten Gröbenzell (8 Punkte) unter sich ausmachen.

Corina Cupcea ist bei ihrem Verein schon zum zweiten Mal als Feuerwehrfrau eingesprungen. Im Februar 2017 übernahm sie das Amt vom Belgier Andy Palm. Erst am letzten Spieltag stand der Klassenerhalt fest. "Drei Monate Abstiegskampf, das war der Hammer. Jetzt geht es schon sechs Monate - und es ist wieder so schlimm", sagt die ehemalige Spielerin. Sie meint vor allem die nervliche Anspannung, das Wellenbad der Gefühle. Die Frage ist: Warum tut Corina Cupcea sich das neben dem geliebten Job als Architektin an? "Der Verein ist und bleibt für mich wie eine zweite Familie", erklärt sie.

Zum Verständnis hilft ein Blick zurück. In Cluj spielte die aus Baia Mare stammende Rückraumschützin bereits mit 17 Jahren in der ersten rumänischen Liga als Profi und studierte Sport. "Ostschule", nennt sie den harten Tagesrhythmus mit zweimal Training und Lernen. Deswegen fühlte sie sich mit 22 Jahren psychisch so ausgebrannt, dass sie nichts mehr von einer Handballkarriere wissen wollte. Ein Angebot, als Au-Pair nach Deutschland zu gehen und nebenbei in der fünften Liga zu spielen, schlug sie aber nicht aus. Sie kam zu einer netten Familie mit drei Kindern, in einen familiär geführten Verein - und überragte natürlich auf dem Parkett: "Da haben wir ein Spiel mit 19 Toren gewonnen, davon habe ich 18 geschossen", erinnert sich Corina Cupcea.
Langsam stellte sich die Lust am Handball wieder ein und nach zwei Jahren beim Regionalligisten TSV Vaterstetten landete sie in Zwickau, weil sie hier auch Architektur studieren konnte. Corina Cupcea gefiel aber noch etwas auf Anhieb: "Präsident Winfried Hermann hat mich am Bahnhof abgeholt und wir sind erst mal ein Eis essen gegangen. Wir haben viel über Persönliches geredet. Das hat mir gefallen", erinnert sich die junge Frau, die sich in der BSV-Familie, in der Zusammenhalt großgeschrieben wird, schnell einlebte: "Zwickau hat im Vergleich zu anderen Zweitligavereinen nicht viel Geld. Aber sie versprechen, was möglich ist und nicht mehr. Und was sie machen, das machen sie mit viel Herz."

Zweieinhalb Jahre warf Corinna Cupcea Tore für den BSV, bis sie ein Kreuzbandriss und ein Knorpelschaden im Knie ziemlich brutal ausbremsten. "Es tut weh, die Karriere mit 28 Jahren beenden zu müssen, ohne es zu wollen", sagt sie und hatte dabei doch Glück im Unglück. Der Verein bot ihr an, die zweite Mannschaft zu trainieren. "Dadurch konnte ich ein paar Euro verdienen und mein Studium beenden. Das war eine große Hilfe für mich", erinnert sich Corina Cupcea, die nach dem Abschluss des Masterstudiums einen Job bei der Firma architektur-concept fand und sich in der Muldestadt längst zu Hause fühlt. Von ihren Chefs bekommt sie viel Unterstützung für ihr Engagement beim BSV. Das soll aber ein "Feuerwehreinsatz" bleiben: "Ich helfe von Herzen gern, jedoch möchte ich nicht, dass Handball mein zweiter Beruf wird", sagt die Blondine und lacht.

Dazu war ihr in der Saison nicht immer zumute. Besonders die böse 21:37-Klatsche bei der FSG Mainz am 13. Spieltag schmerzte enorm: "Da hatten die Mädels schon nach fünf Minuten aufgegeben, aber so etwas kommt für mich nicht infrage. Ich war so enttäuscht, dass ich zwei Tage nicht mit ihnen geredet habe", erzählt Corina Cupcea. Der Schock saß tief, auch bei der Mannschaft, die eine Stunde wie paralysiert in der Kabine saß und sich später in einem Brief quasi bei der Trainerin entschuldigte. "Ich habe mich ein wenig wie im Kindergarten gefühlt, aber es war ehrlich gemeint."
Und es war ein Wendepunkt. "Das glaube ich wirklich. Nach dem schlimmsten Spiel hat es klick gemacht", sagt Corina Cupcea. Zwar ging zunächst noch ein Spiel verloren, doch dann gewannen die Zwickauerinnen vier Partien in Folge. Jetzt sehen die "Chefin auf Zeit" und ihr Team, zu dem Co David Gerber, Torwarttrainerin Manuela Splinter und auch Norman Rentzsch als Ratgeber gehören, wieder Licht am Ende des Tunnels. "Wir wissen, dass wir besser sind und da unten nichts zu suchen haben, aber wir müssen auch daran glauben", sagt Corina Cupcea, deren Team am Sonnabend (17 Uhr) Hannover empfängt. An etwas anderes als an einen Sieg will sie gar nicht denken.


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Spielplan BSV I

20. Oktober 2018  I  17:00 Uhr

21 : 33

Kurztabelle BSV I

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  1   Kurpfalz Bären   12:0  
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  ...  

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